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Österreich würde von einer höheren Akademikerquote profitieren
Einkommensunterschiede zwischen Akademikern und Geringqualifizierten vergleichsweise groß – Hochschulzugang hängt in Österreich stark von sozialer Herkunft ab
In Österreich ist das Einkommensgefälle zwischen Hoch- und Geringqualifizierten und damit die Rendite aus Bildung so hoch wie in kaum einem anderen OECD-Land. Dies ist zu einem großen Teil die Folge einer im OECD-Vergleich sehr geringen Akademikerquote. Gleichzeitig ist der Zugang zur Hochschulausbildung stark von der sozialen Herkunft abhängig. Dies ergibt sich aus der neuen Studie „Bildung auf einen Blick“ der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die heute in Berlin vorgestellt wurde.
So erzielten in Österreich im Jahr 2005 Berufstätige mit einem Hochschul- oder Fachhochschulabschluss im Schnitt ein um 74 Prozent höheres Einkommen als Berufstätige, die nur über einen Abschluss der Sekundarstufe II (Matura oder abgeschlossene Berufsausbildung) verfügten. Für Geringqualifizierte, die über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen, lag das Einkommen um 29 Prozent niedriger als jenes von Absolventen der Sekundarstufe II. Nur in Ungarn, Tschechien, Portugal und den USA hängt das Einkommen noch stärker vom Bildungsgrad ab als in Österreich. Gleichzeitig ist für Akademiker das Risiko, arbeitslos zu werden, nur ein Drittel so groß wie für Geringqualifizierte.
Mit einem Hochschulabsolventenanteil von 20 Prozent je Jahrgang liegt Österreich weit hinter dem OECD-Mittel von 36 Prozent. Die weit unterdurchschnittlichen und wenig dynamischen Studienanfängerzahlen (37 Prozent eines Jahrgangs gegenüber 54 Prozent im OECD-Mittel) lassen allenfalls eine geringe Steigerung der Absolventenzahlen für die kommenden Jahre erwarten.
Trotz eines etwas höheren Interesses an technisch-naturwissenschaftlichen Fächern in Österreich fällt der Anteil der Absolventen in diesem Bereich ebenfalls deutlich geringer aus als im OECD-Schnitt. Selbst wenn man die höhere berufliche und die universitäre Ausbildung (Tertiär A und B) gemeinsam betrachtet, dann kommen in Österreich auf 100.000 25-34jährige 1139 Absolventen in technisch-naturwissenschaftlichen Fächern, im OECD-Schnitt sind es dagegen 1675.
Die sehr hohe Bildungsrendite in Österreich legt nahe, dass die Nachfrage nach Hochqualifizierten durch das Angebot nicht befriedigt werden kann. Auch in Länder, in denen sich die Zahl der Hochschulabsolventen deutlich erhöht hat, steigen die Bildungsrenditen weiter. „Die Bildungsexpansion war sowohl für die Individuen wie auch für die Volkswirtschaften als Ganzes positiv. Es gibt nach wie vor keine Anzeichen, dass eine Inflation universitärer Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt stattgefunden hat“; sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría bei der Präsentation der Studie. Dass eine höhere Zahl an Hochqualifizierten anderen Arbeitnehmern ohne eine solche Ausbildung schaden könnte, lässt sich derzeit nicht erkennen. Im Gegenteil: „Wenn die Wirtschaft auf eine ausreichende Zahl Hochqualifizierter zurückgreifen kann, dann wächst sie schneller und auch Geringqualifizierte finden dann leichter einen Job“, so Gurría.
Bis auf wenige Ausnahmen ist es den OECD-Länden nicht gelungen, das Erreichen eines Hochschulabschlusses weitgehend unabhängig von der sozialen Herkunft zu machen. Von zehn untersuchten OECD-Länden war dies nur in Irland und mit gewissen Abstrichen auch in Spanien gelungen. In Österreich ist die soziale Bildungsmobilität dagegen vergleichsweise gering und das trotz der Tatsache, dass das Studium weitgehend steuerfinanziert ist und der Staat Studenten aus einkommensschwachen Verhältnissen im OECD-Vergleich zumindest durchschnittliche Unterstützung gewährt. So ist der Anteil von Akademikerkindern an Hochschulstudenten 2,5 mal so hoch, wie es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. In Irland dagegen hat die akademische Bildung des Vaters so gut wie keinen Einfluss darauf ob ein Kind studiert oder nicht.
Bei Fragen oder Interviewwünschen wenden Sie sich bitte an Matthias Rumpf im OECD Berlin Centre (Tel.: +49 (30) 28 88 35 41 oder Matthias.Rumpf@oecd.org). Journalisten können über das OECD Berlin Centre ein Presseexemplar dieser Studie als PDF-Datei beziehen. Diese Anfragen richten Sie bitte an berlin.centre@oecd.org.
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