Bildung lohnt sich, gerade auch in der Krise

Tertiäre Ausbildung in Österreich nimmt weiter zu, Abstand zum OECD-Mittel bleibt aber groß – Weiterbildung sollte mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden

 

(Berlin/Paris – 8. September 2009) Der durch die Wirtschaftskrise zu erwartende Anstieg der Arbeitslosigkeit wird in den kommenden Jahren auch die Jobaussichten für junge Menschen verschlechtern. Umso mehr lohnt es sich für Schulabgänger, sich in dieser Zeit durch die Aufnahme eines Studiums weiter zu qualifizieren. Auf diese Entwicklung sollten die OECD-Länder vorbereitet sein und sie in ihrer Bildungsplanung berücksichtigen. Zu diesem Ergebnis kommt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in der diesjährigen Ausgabe der Studie "Bildung auf einen Blick", die heute in Berlin vorgestellt wurde.

 

"Wenn Österreich gestärkt aus dieser Wirtschaftskrise hervorgehen will, dann ist jetzt der Zeitpunkt, in Bildung und höhere Qualifikation zu investieren", sagte die OECD-Direktorin für Bildung, Barbara Ischinger, bei der Präsentation der Studie. „Dies gilt für die Erstqualifikation wie auch für die Weiterbildung.“

 

Schon vor dieser tiefsten Rezession der Nachkriegszeit wiesen ein wachsender Einkommensvorsprung sowie eine deutlich niedrigere Arbeitslosigkeit für Erwerbstätige mit tertiärer Ausbildung darauf hin, dass der Bedarf der Wirtschaft an Hochqualifizierten durch das österreichische Bildungssystem nicht ausreichend gedeckt wird. Zum ersten Mal legt die OECD in diesem Jahr detaillierte Berechnungen zu Bildungserträgen über die gesamte Erwerbsphase vor:


So können Männer, die in Österreich nach Schulabschuss direkt ein Studium aufnehmen, in ihrer Erwerbszeit mit einem Einkommensbonus von durchschnittlich 178.000 Euro (202.000 US-Dollar in Kaufkraftparitäten) brutto nach heutigem Wert rechnen. Für Frauen liegt er aufgrund der niedrigeren Löhne bei 153.000 Euro (174.000 US-Dollar in Kaufkraftparitäten). Der OECD-Mittelwert liegt bei 186.000 US-Dollar für Männer und 134.000 US-Dollar für Frauen. In den USA, Italien und Ungarn sind die Einkommensprämien besonders hoch. In den nordischen Ländern ist der Einkommensvorsprung für Hochqualifizierte dagegen eher gering.


Da ein Teil dieser Bildungserträge als zusätzliche Steuern und Sozialbeiträge abgeführt werden, ergeben sich durch Bildungsinvestitionen auch hohe öffentliche Erträge. Sowohl für den Einzelnen wie auch für die öffentliche Hand übersteigen die Erträge deutlich die Investitionen in Form von direkten Ausbildungskosten und Einkommensausfällen während der Ausbildungsphase.

 

Jenseits wirtschaftlicher Renditen haben Investitionen in Bildung auch hohe soziale Erträge. Menschen mit einem höheren Bildungsabschluss sind im Schnitt politisch interessierter, gesünder und vertrauen eher ihren Mitmenschen als es Menschen mit mittlerer Qualifikation tun. "Diese hohen finanziellen und sozialen Renditen sollten ein starker Anreiz sein, mehr in tertiäre Bildung zu investieren, seien diese Investitionen privat oder öffentlich", so Ischinger.


Wie in fast allen anderen OECD-Ländern ist auch in Österreich in den vergangen Jahren der Anteil der Hochqualifizierten kontinuierlich gestiegen. So schlossen 2007 in Österreich 22 Prozent eines Jahrgangs ein Hoch- oder Fachhochschulstudium ab, 1995 waren es nur zehn Prozent. In den OECD-Ländern, für die die Daten für beide Zeitpunkte vorliegen, stieg die Absolventenquote allerdings von 18 auf 36 Prozent. Der Anteil der Studienanfänger an Hoch- und Fachhochschulen ist 2007 mit 42 Prozent eines Jahrgangs weiter gestiegen. Im OECD-Mittel lag die Studienanfängerquote an Hoch- und Fachhochschulen bei 56 Prozent. Die Abbrecherquote lag 2005 in Österreich bei 24 Prozent, im OECD-Mittel waren es 31 Prozent. Die Umstellung der Studienprogramme auf Bachelor und Master dürften in den kommenden Jahren die Abbrecherquoten noch weiter sinken lassen.

 

Gerade die Wirtschaftskrise und der sich abzeichnende Strukturwandel sollte zum Anlass genommen werden, Weiterbildung und lebenslanges Lernen stärker in den Fokus der politischen Debatte zu stellen. Nur so kann Beschäftigung für ältere Arbeitnehmer auf Dauer gesichert werden. EAG 2009 bietet hier keinen umfassenden Überblick über alle Weiterbildungsformen. Daten zur Teilnahme Älterer an der formalen tertiären Ausbildung offenbaren jedoch große Unterschiede zwischen den OECD-Ländern. Während in Australien, Finnland oder Schweden 13 Prozent und mehr der 30 bis 39-Jährigen für ein Vollzeit- oder Teilzeitstudium eingeschrieben sind, sind es in Österreich gerade einmal 3,5 Prozent. Im OECD-Mittel sind es 5,9 Prozent. Bei den über 40-Jährigen liegt in Österreich die Studienteilnahme bei 0,5 Prozent, Länder wie Belgien, Finnland oder Australien erreichen hier noch Quoten zwischen drei und sechs Prozent. (Tabelle C1.1)

 


Die gesamten öffentlichen und privaten Ausgaben für Bildungseinrichtungen lagen in Österreich 2006 nach internationaler Abgrenzung bei 5,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, mit einer mittelfristig rückläufigen Tendenz. Die OECD-Länder gaben insgesamt im gleichen Jahr 6,1 Prozent ihrer gemeinsamen Wirtschaftsleistung für Bildung aus. Bei den Spitzenreitern, USA, Korea und Dänemark, liegt der Anteil der Bildungsausgaben bei über sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Ausgaben pro Schüler bzw. Studierenden waren in Österreich 2006 kaufkraftbereinigt nach den USA, der Schweiz und Norwegen mit rund 9.600 Euro (11.000 US-Dollar in Kaufkraftparitäten) die höchsten in der OECD.

 

Mit einem Anteil von 16,7 Prozent war Österreich 2007 im OECD-Vergleich eine beliebte Destination für internationale Studenten. Nur in Neuseeland, Australien, Großbritannien und der Schweiz lag der Anteil der ausländischen Studierenden höher. Von 2000 bis 2007 ist in Österreich der Anteil ausländischer Studierender um gut 40 Prozent gewachsen. Im OECD-Schnitt hat sich dieser Anteil im gleichen Zeitraum hingegen mehr als verdoppelt.

 

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