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Gaelle Ferrant, Wirtschaftswissenschaftlerin im Gender-Programm des OECD Development Centre - Meine Zahl ist die 30

 

Nach sechs Jahren akademischer Forschung zu Gender- und Entwicklungsfragen habe ich 2013 im OECD Development Centre angefangen. Hier betreue ich derzeit das Gender-Programm und befasse mich insbesondere mit dem Social Institutions and Gender Index (SIGI). Der SIGI ist ein von der OECD entwickelter länderübergreifender Indikator, der anhand von Zahlen geschlechterbasierte Diskriminierung aufzeigt. Dabei werden nicht nur Gesetze, sondern auch die tatsächlich gelebten Praktiken und Haltungen von Gesellschaften berücksichtigt.. Insofern hat der SIGI einen ganzheitlichen Ansatz. Denn auch soziale Normen und Praktiken, die Frauen und Mädchen gezielt einschränken oder ausschließen, behindern die Geschlechtergleichstellung.

 

Meine Zahl: 30

30 Prozent der Frauen im Laufe ihres Lebens Opfer von körperlicher und/oder sexueller Gewalt durch ihren Lebens- oder Intimpartner geworden. Bemerkenswert dabei ist, dass fast der gleiche Anteil an Frauen glaubt, Gewalt gegenüber Frauen sei unter bestimmten Umständen gerechtfertigt. Daher ist die Kriminalisierung häuslicher Gewalt zwar ein erster Schritt, um diese zu verhindern, jedoch lange nicht ausreichend.

Die Zahl 30 zeigt, dass sich das Ausmaß des öffentlichen Engagements durch Veränderungen in den Rechtssystemen zwar widerspiegelt, die Umsetzung dieser Gesetze aber oft noch durch diskriminierende soziale Normen behindert wird. Die Lücke zwischen gesetzlich geforderter und realer Lebenssituation ist oftmals noch sehr groß. Es ist daher wichtig, positive Veränderungen zu forcieren. Mithilfe des SIGI werden die Ursachen für die Diskriminierung von Frauen herausgefiltert und es wird aufgezeigt, an welcher Stelle man ansetzen muss, damit gesellschaftlicher Wandel möglich wird.

 

Darauf kommt es mir am meisten an

Ich möchte dazu beitragen, die Gleichstellung der Geschlechter und die Rechte von Frauen zu fördern. Durch den SIGI wird gefordert, soziale Normen in den Mittelpunkt der Gender-Strategie zu stellen: Denn selbst wenn grundlegende Rechtsvorschriften vorhanden sind, wird die Umsetzung dieser oft durch die soziale Akzeptanz von Gewalt gegen Frauen und (althergebrachte) Denkmuster untergraben. So sind Frauen und Mädchen noch oft anhaltenden diskriminierenden Praktiken wie häuslicher Gewalt ausgesetzt.

 

Publikationen, an denen ich mitgearbeitet habe

» South-South Migration and Discrimination against Women in Social Institutions: A Two-Way Relationship, World Development, Vol. 72, pp. 240-254

» The Economic Cost of Gender-Based Discrimination in Social Institutions, Issues Paper, OECD Development Centre.

 

Weitere Informationen

» www.oecd.org/dev/development-gender/gender-publications.htm

» Zur Projektseite "Meine Zahl"

 

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