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Francesco Avvisati, Bildungsexperte - Meine Zahl ist 23,4

 

Ich hatte mein Studium in Wirtschaftswissenschaften an der Universität Pisa gerade erst begonnen, als die OECD im Dezember 2001 die Ergebnisse der ersten internationalen Schulleistungsuntersuchungen PISA veröffentlichte. Ich fand die daran anschließende Debatte sehr besorgniserregend, und das nicht nur wegen der immer wieder aufkommenden Verwirrung von Stadt und Akronym.

Nach meinem Bachelorabschluss zog ich nach Paris und promovierte dort in Wirtschaftswissenschaften. Zu diesem Zeitpunkt war mir bereits klar, dass ich nicht nur verstehen wollte, warum die Bildungssysteme mancher Länder Schülerinnen und Schülern besser zum Erfolg verhelfen. Ich wollte dieses Wissen vor allem dazu nutzen, allen Kindern beim Lernen und Wachsen zu helfen.

 

Meine Zahl: 23,4

Diese Zahl steht für den Anteil der 15-Jährigen, die in der PISA-Bewertung von 2015 im Durchschnitt aller OECD-Länder unterhalb des Ausgangsniveaus  in Mathematik lagen. Wenn man alle diese Schülerinnen und Schüler aus allen an der Studie beteiligten Ländern zusammenfasst, kommt man auf zehn Millionen Jugendliche. Das sind zehn Millionen junge Menschen die bald ins Erwachsenenleben eintreten werden, ohne viel aus den Jahren und Stunden, die sie in der Schule verbracht haben, mitgenommen zu haben.

Viele, die das PISA-Ausgangsniveau in Mathematik nicht erreichen, sind oft in der Lage, einfache Aufgaben wie Grundrechenaufgaben mit ganzen Zahlen mit einer genauen Aufgabenstellung zu lösen. Oft fällt es ihnen jedoch schwer zu erkennen, wie alltägliche Probleme mathematisch dargestellt werden können, insbesondere wenn zur Lösung mehr als ein Schritt erforderlich ist. So beispielsweise bei der Umrechnung von Preisen in eine andere Währung.

Ich halte die 23,4 Prozent für wichtig, da sie uns die Lücke zwischen den gewünschten Lernerfolgen, wie sie in den Lehrplänen angegeben werden, und der Realität dessen aufzeigt, was Schülerinnen und Schüler überhaupt wissen und leisten können. Sie verdeutlicht, wie wichtig es ist, sich auf die hilfsbedürftigsten Kinder zu konzentrieren. Und sie zeigt, dass die Ziele der Grundbildung ausbalanciert werden müssen zwischen individueller Förderung und der Fähigkeit, sich in einer komplexen, demokratischen Gesellschaft zurechtzufinden. Letztlich kann diese Zahl auch dabei helfen, den Fortschritt zu verfolgen und die Möglichkeiten von Bildung nachvollziehbar zu machen.


Was schätze ich besonders an der OECD?

PISA ist aufgrund seiner Größe und Sichtbarkeit ein einzigartiges Projekt, nicht zuletzt auch wegen des Engagements der vielen Menschen, die daran arbeiten, sei es in der OECD oder in nationalen Teams. PISA wird ständig weiterentwickelt. Ich genieße es, mich in diesem interdisziplinären und multikulturellen Umfeld weiterentwickeln zu können und in verschiedenen Rollen zu diesem Projekt beitragen zu können. Ich stelle auch gerne Verbindungen zwischen politischem Handeln und Forschungsergebnissen her, und es gibt kaum einen besseren Ort als die OECD dafür. Auch wenn ich meilenweit von einem Klassenzimmer entfernt bin, in dem sich die wirkliche Veränderung vollzieht: Ich bin sicher, dass unsere Zahlen und Berichte einen echten Beitrag zum Wohlergehen der Kinder und zum Wohlstand der Gesellschaften leisten können.

 

Publikationen, an denen ich mitgearbeitet habe

» PISA in Focus

» Effective Teacher Policies: Insights from PISA

» Students, Computers and Learning: Making the Connection

 

Weitere Informationen

» www.oecd.org/pisa

» Zur Projektseite "Meine Zahl"

 

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