Höhere Investitionen und Produktivität für eine stärkere Wirtschaft und mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt

 

(Berlin, 5. April 2016) - Deutschland ist in einer soliden wirtschaftlichen Verfassung. Allerdings erfordert der demografische und technologische Wandel neue Investitionen in Menschen, um eine stärkere und inklusivere Gesellschaft zu verwirklichen. Zu diesem Schluss kommt der diesjährige OECD-Wirtschaftsbericht für Deutschland.

Die Studie, die heute in Berlin von OECD-Generalsekretär Angel Gurría vorgestellt wurde, hebt Deutschlands robuste wirtschaftliche Erholung und hohe Wettbewerbsfähigkeit nach der globalen Wirtschaftskrise hervor. Gleichzeitig weist er auf zahlreiche Herausforderungen hin. Diese umfassen die Stärkung der Produktivität, Erhöhung der Lebenszufriedenheit in einer rapide alternden Gesellschaft und die Integration der neu angekommenen Migranten.

Mehr Investitionen sind der Schlüssel, um Produktivität und Lebensstandard zu steigern. So würde die Förderung von Investitionen in  wissensbasiertes Kapital und die Freisetzung von Potenzialen im Dienstleistungssektor auch die Wettbewerbsfähigkeit des verarbeitenden Sektors stärken und die Transformation zur „Industrie 4.0“ erleichtern. Mehr Investitionen in Bildung, in lebenslanges Lernen für Arbeitnehmer und in soziale Dienstleistungen könnten ein inklusives Wachstum fördern. Das gleiche gilt für öffentliche Investitionen in finanzschwache Kommunen. Hier ließe sich die Effektivität bei der Identifikation und Durchführung kommunaler Investitionsprojekte noch verbessern.

Auch Reformen zum Abbau regulatorischer Verzerrungen, die die Umverteilung von Ressourcen behindern, würden Produktivität und Investitionen ankurbeln. Der Bericht zeigt, dass durch Gesetzesreformen speziell im Dienstleistungssektor die Produktivität erhöht werden könnte. Bessere Strukturen der Unternehmensführung sowie eine weitere Privatisierung von staatlichen Beteiligungen an Unternehmen hätten ebenfalls positive Auswirkungen.

„Trotz der Turbulenzen in der Weltwirtschaft bleibt die deutsche Wirtschaft robust, mit einer starken Exportleistung und geringer Arbeitslosigkeit“, sagte Angel Gurría. „Deutschland muss jetzt seine Stärke nutzen, um sich für die Zukunft vorzubereiten, insbesondere durch eine erfolgreiche Integration von Flüchtlingen mit Bleibeperspektive. Dieser Bevölkerungszuzug ist eine Chance, um dem demographischen Trend entgegenzuwirken und um die Basis für eine diversifiziertere und produktive Wirtschaft zu legen.“

 


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Der Bericht unterstreicht, dass die erfolgreiche Integration kürzlich zugewanderter Migranten ein entscheidender Faktor bei der Verbesserung wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und der Sicherstellung des sozialen Zusammenhalts ist. Dies erfordert Investitionen in Sprachkurse und Weiterbildung. Migranten mit Bleibeperspektive muss zudem rasch Zugang zum Arbeitsmarkt und zu aktiven Arbeitsmarktprogrammen gewährt werden.

Deutschland hat bereits weitreichende Arbeitsmarktreformen durchgeführt, doch es besteht weiterhin Reformbedarf beim Abbau von Barrieren für Frauen, die  eine berufliche Karriere anstreben. Reformen in diesem Bereich würden auch zu einer höheren Lebenszufriedenheit und Einkommensgerechtigkeit beitragen. So sollte stärker in Kinderbetreuung, frühkindliche Bildung und Ganztagsschulen investiert werden. Auch die Steuerbelastung für Zweitverdiener, die Frauen vielfach von einer Vollzeiterwerbstätigkeit abhält, sollte gesenkt werden. Die Einführung eines gesonderten Freibetrags für Zweitverdiener könnte ebenfalls ein Anreiz zu einer höheren Erwerbsbeteiligung sein.

Eine Indexierung des gesetzlichen Renteneintrittsalters würde die Nachhaltigkeit der Altersversorgung verbessern, so der Bericht. Die notwendige Anhebung des Renteneintrittsalters  sollte einhergehen mit einer Verbesserung des Schutzes bei Berufsunfähigkeit. Auch bei Beschäftigung und Lebenszufriedenheit für ältere Arbeitnehmer gibt es Reformbedarf. Beschränkungen, die eine Kombination von Altersrente und Beschäftigung verhindern, sollten abgebaut und die Prävention gegenüber Gesundheitsrisiken im Alter effektiver gestaltet werden.


Pressekontakt:
Matthias Rumpf
Matthias.Rumpf@oecd.org
Tel.: +49-30-28 88 35 41

 

 

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