Die Weltwirtschaft ist in einer Falle niedrigen Wachstums gefangen - Politiker müssen handeln, um ihre Versprechen zu erfüllen

 

(Berlin/Paris, 1. Juni 2016) - Die Weltwirtschaft ist in einer Phase geringen Wachstums gefangen. Es bedarf koordinierter und umfassender Maßnahmen der Fiskal-, Geld- und Strukturpolitik, um auf einen höheren Wachstumspfad zu gelangen und um die politischen Versprechen vor allem gegenüber der jüngeren und der älteren Generation zu erfüllen.

„Das Wachstum in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften bleibt schwach und hat sich in den Schwellenländern, die seit der Krise Zugpferd der Weltwirtschaft waren, abgeschwächt“, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría bei der Vorstellung des Wirtschaftsausblicks auf dem diesjährigen OECD-Forum in Paris. „Langsameres Produktivitätswachstum und zunehmende Ungleichheit sind weitere Herausforderungen. Umfassende politische Maßnahmen sind dringend erforderlich, um den enttäuschenden Wachstumspfad zu verlassen und unsere Wirtschaft auf ein Niveau zu heben, das den Lebensstandard aller sichert“, so Gurría (Rede lesen).

Eine schwache Entwicklung des Welthandels, zögerliche Investitionen, eine gedämpfte Lohnentwicklung und geringere Dynamik in den wichtigsten Schwellenländern - all dies trägt zu einem bescheidenen globalen Wirtschaftswachstum von 3 Prozent in diesem Jahr bei. Damit bleibt die Wirtschaftsdynamik weitgehend auf dem Niveau von 2015. Auch 2017 wird die Erholung mit einem Wachstum von 3,3 Prozent bescheiden ausfallen.

Unter den großen fortgeschrittenen Volkswirtschaften werden die USA mit einer moderaten Erholung rechnen können. Hier werden die Wachstumsraten dem Ausblick zufolge von 1,8 Prozent in 2016 auf 2,2 Prozent in 2017 steigen. Das Wachstum im Euroraum entwickelt sich nur langsam von 1,6 Prozent in 2016 auf 1,7 Prozent in 2017. Für Japan geht der Bericht von einem Wachstum von 0,7 Prozent im Jahr 2016 und von 0,4 Prozent in 2017 aus. Die Wirtschaft der 34 OECD-Mitglieder wird 2016 zusammen um 1,8 Prozent und 2017 um 2,1 Prozent wachsen.

In China setzt sich die Neuausrichtung der Wirtschaft fort. Hier wird sich trotz der Nachfragestimulierung das BIP-Wachstum von 6,5 Prozent in 2016 auf 6,2 Prozent in 2017 verringern. In Indien dürfte dieses und nächstes Jahr die Wirtschaft um 7,5 Prozent wachsen, doch viele Schwellenländer verlieren an Schwung. Die Rezession in Russland und Brasilien wird weiter anhalten. Brasiliens Wirtschaft dürfte 2016 um 4,3 Prozent und 2017 um 1,7 Prozent schrumpfen.

Der Bericht weist auch auf eine Reihe von Abwärtsrisiken hin. Das unmittelbarste Risiko ist die Abstimmung der Briten über einen Austritt aus der Europäischen Union, der sich negativ auf die Wirtschaft Großbritanniens, der EU und der gesamten Welt auswirken würde. Ein Brexit würde zu wirtschaftlicher Unsicherheit führen und den Handel behindern; die Auswirkungen wären noch spürbarer, sollte ein EU-Austritt Großbritanniens zu Verwerfungen an den Finanzmärkten führen. Ein Austritt aus der EU dürfte der britischen Wirtschaft bis 2030 rund 5 Prozent ihres gesamten Volumens kosten.

„Wenn wir jetzt nicht handeln, um Produktivität und Wachstum zu steigern, werden vor allem jüngere und ältere Generationen darunter leiden“, sagt die OECD-Chefökonomin Catherine L Mann. „Je länger die Weltwirtschaft auf diesem geringen Wachstumspfad verweilt, umso schwerer wird es für Regierungen ihre wichtigsten Versprechen einzuhalten. Die Folge wären schlechtere  Beschäftigungsperspektiven für die heutige Jugend, die bereits unter der globalen Wirtschaftskrise gelitten hat, und geringere Alterseinkommen für zukünftige Rentner.“ ( Präsentation anschauen).

Die OECD empfiehlt eine Reihe von Politikmaßnahmen, unter anderem eine umfassendere Nutzung der Fiskalpolitik und ein Wiederaufnehmen struktureller Reformen, um der Wachstumsfalle zu entkommen. Der Bericht argumentiert, dass Geldpolitik allein Inflation und Wachstum nicht erfolgreich steuern können. Geldpolitik ist weniger effektiv als in der Vergangenheit und kann unter Umständen sogar negative Effekte haben.

Die niedrigen langfristigen Zinssätze haben den Spielraum der Fiskalpolitik erheblich erweitert und sollten durch öffentliche Investitionen ausgeschöpft werden. Während fast alle Länder ihr Augenmerk auf eine Konsolidierung der öffentlichen Ausgaben gelegt haben, sollten gemeinsame Maßnahmen ergriffen werden, die öffentliche Ausgaben gezielt auf Projekte zu steuern, die Wachstum versprechen. Dies würde die Nachfrage stärken und helfen, die fiskalische Nachhaltigkeit verbessern.

Im Hinblick auf die schwache Weltwirtschaft und eine steigende Ungleichheit in vielen Ländern sind ambitionierte Strukturreformen nötig. Vor allem bei den Dienstleistungen könnten kurzfristige Nachfragesteigerungen erreicht werden, die sich langfristig in Beschäftigungs- und Produktivitätswachstum niederschlagen würden, so die OECD.

 

 


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