Rentenbericht: Höheres Rentenalter und weniger Rente im gesamten OECD-Raum – Zukünftige Bezüge für Geringverdiener in Deutschland besonders knapp

 

(Paris/Berlin, 26. November 2013) - „Länger arbeiten, mehr sparen“, so lautet die Formel für zukünftige Rentner in den meisten Industrieländern. Wie der aktuelle Bericht Renten auf einen Blick der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) belegt, hat die Krise dazu beigetragen, dass die Mehrzahl der OECD-Mitglieder ihre Rentensysteme reformiert oder bereits geplante Reformen beschleunigt hat. Ein späterer Eintritt in die Rente und niedrigere Rentenversprechen für künftige Generationen sollen die Folgen von demografischem Wandel und höherer Lebenserwartung für die Rentenkassen dämpfen.

Im Großteil der Länder liegt die Last der Reformen vor allem auf den Schultern von Durchschnitts- und Besserverdienern. Dennoch wird es eine der wesentlichen Herausforderungen sein, dauerhaft für ein angemessenes Rentenniveau zu sorgen. „Die Reformen waren wichtig und die Regierungen haben gut daran getan, Geringverdiener nicht noch stärker zu belasten“, sagte die Leiterin der OECD-Abteilung für Sozialpolitik, Monika Queisser, bei der Vorstellung des Berichts in Berlin. „Wir müssen aber aufpassen, dass die langfristigen Folgen für den sozialen Zusammenhalt und Altersarmut nicht aus dem Blick geraten. In Deutschland zum Beispiel werden die Rentenbezüge für Menschen mit verhältnismäßig kleinem Gehalt gegen Mitte dieses Jahrhunderts so niedrig sein wie in kaum einem anderen OECD-Land.“

Wie sich der Lebensstandard ändert, wenn Menschen von der Arbeit in die Rente wechseln, errechnet die OECD mit so genannten Ersatzraten. Diese Raten geben an, welchen Teil der individuellen Einkünfte Rentner aus der staatlichen oder privaten Kasse erhalten. In Deutschland liegen die Ersatzraten für Personen, die 2012 am Arbeitsmarkt gestartet sind und bis zum gesetzlichen Rentenalter Beiträge zahlen, brutto bei 42 Prozent ihres durchschnittlichen monatlichen Einkommens. Bezieht man Steuern und Abgaben in die Kalkulation ein, kommen zukünftige Rentner je nach Verdienstklasse auf 55 bis 57 Prozent ihres Einkommens.

Geringverdiener mit der Hälfte des durchschnittlichen Einkommens werden in Deutschland netto noch rund 55 Prozent dieser Bezüge erhalten – weniger als in allen anderen OECD-Ländern. Ersatzraten allein geben allerdings nur bedingt darüber Auskunft, ob Menschen im Ruhestand ein würdiges Leben führen können. Der Bericht beschäftigt sich erstmals mit drei weiteren Faktoren, die den Lebensstandard im Alter beeinflussen: Immobilienbesitz, Finanzvermögen und staatliche Leistungen. Vom eigenen Haus oder der eigenen Wohnung profitiert in Deutschland mit 50 Prozent nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der Rentner, im OECD-Schnitt sind es 76 Prozent. Das Kapitalvermögen lässt sich aufgrund mangelnder Daten weit weniger gut analysieren. Nach OECD-Berechnungen werden in Deutschland, genau wie im OECD-Schnitt, etwa 17 Prozent des Einkommens der Über-65-Jährigen aus Kapiteleinkünften (etwa privaten Renten und Lebensversicherungen) gespeist.

Die Leistungen des Staates können eine Vielzahl von Formen annehmen und das reale Einkommen der Menschen teils beträchtlich steigern. Für die ältere Generation besonders wichtig sind Gesundheits- und Pflegedienste, in manchen Ländern aber auch Ermäßigungen bei der Miete, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder bei kulturellen Angeboten. Im Schnitt der OECD-Länder liegen die Einkommenseffekte öffentlicher Leistungen für Menschen ab dem 65. Lebensjahr bei 40 Prozent und damit 16 Prozentpunkte höher als für die Erwerbsbevölkerung. Auch in Deutschland profitieren Ältere stärker von diesen Leistungen als die 18- bis 65-Jährigen. Hier erhöht sich das Einkommen der Rentnergeneration unter Einbezug staatlicher Sach- und Dienstleistungen um 30 Prozent (Erwerbsbevölkerung: 20 Prozent).

Von allen Leistungen kommt der Langzeitpflege die vielleicht größte Rollen für soziale Umverteilung im Alter zu. Pflegekosten können dramatische Auswirkungen auf Ruhestandsgehälter haben. Schon ein verhältnismäßig geringer Pflegeaufwand von etwa zehn Stunden pro Woche kann das verfügbare Einkommen von Senioren der unteren Einkommensklasse um bis zu zwei Drittel mindern. Wird mehr Pflege gebraucht, schmilzt auch das Einkommen bessergestellter Rentner drastisch zusammen. In Deutschland profitieren die 20 Prozent der Rentner mit dem geringsten Einkommen von 25 Prozent der Pflegeleistungen, die reichsten 20 Prozent von etwa zwölf Prozent. Die staatliche Unterstützung in der Pflege ist vor allem für alleinstehende Frauen jenseits der 75 wichtig. Ihr Risiko, in Armut abzurutschen, ist OECD-weit relativ groß, sind doch ihre Einkommen und ihr Vermögen oft gering, ihre Lebenserwartung aber im Verhältnis lang.

Insgesamt haben die OECD-Länder in den vergangenen Jahrzehnten, und sogar während der Krise, große Fortschritte bei der Bekämpfung von Altersarmut gemacht. 2010 lag das durchschnittliche verfügbare Haushaltseinkommen der Über-65-Jährigen in der OECD bei 86 Prozent des durchschnittlichen Einkommens der Gesamtbevölkerung (Deutschland 85,4%). Der Anteil der Menschen, die weniger als die Hälfte des Medianeinkommens erhielten und somit als einkommensarm galten, war von 15,1 Prozent (2007) auf 12,8  Prozent gesunken. Deutschland liegt mit 10,5 Prozent unter dem OECD-Schnitt.

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