OECD-Regionalberichte: Krise vergrößert Abstand zwischen Regionen

 

(Berlin/Brüssel, 6. Oktober 2014) - Die Lebensbedingungen in vielen entwickelten Volkswirtschaften klaffen regional noch immer auseinander. Neuesten Forschungsergebnissen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zufolge vergrößerte sich seit Ausbruch der Krise in der Hälfte aller OECD-Länder die Einkommensschere zwischen den reichsten und den ärmsten Regionen.

Wie der aktuelle OECD Regional Outlook 2014 zeigt, konzentrierte sich der Anstieg der Arbeitslosigkeit in zehn OECD-Ländern zu mehr als 40 Prozent in jeweils einer Region des entsprechenden Landes.

Einige der stärksten Einkommensdifferenzen treten in Großstädten auf. Die OECD empfiehlt daher, urbane Räume besser zu verwalten, was dazu beitragen könnte, den Wohlstand zu erhöhen und die Ungleichheiten zu vermindern. Wo der Zugang zu Dienstleistungen gewährt, die Luftverschmutzung im Zaum gehalten, die Straßen sicherer und die Verbindungen des öffentlichen Nahverkehrs komfortabler sind, erleben Städte häufig einen Anstieg in Produktivität und Effizienz.

“Die regionale Annäherung ist seit der Krise ins Stocken geraten. Die Menschen profitieren nicht in allen Regionen gleichermaßen von nationalen Standards bei der Lebensqualität”, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría während der Vorstellung des Berichts auf der 12. Europäischen Woche der Regionen und Städte in Brüssel. “Klug eingesetzte öffentliche Investitionen – vor allem in den Städten – und Reformen veralteter Strukturen von Lokalregierungen würden dabei helfen, das Problem zu lösen.”

Im OECD-Raum gibt es mehr als 140.000 Regierungen unterhalb der nationalen Ebene. Oft folgen diese jahrhundertealten Strukturen, was zu Zersplitterungen und zu einer ineffizienten Verwaltung führt.

Ein zweiter Bericht, How’s Life in Your Region, zeigt, wie groß die Unterschiede in der Lebensqualität der 362 OECD-Regionen sind. Er betrachtet verschiedene Indikatoren des Alltags, wie etwa die Lebenserwartung, die Luftverschmutzung, die Beschäftigungs- und Einkommensverhältnisse oder den Zugang zum Internet.

Einige Ergebnisse auf einen Blick:

  • Die regionale Ungleichheit bei Haushaltseinkommen ist in Österreich am niedrigsten und in Australien am höchsten.

  • Deutschland ist das Land, in dem zwischen 2008 und 2010 am wenigsten Regionen Arbeitsplätze einbüßten (12%) und eines von nur drei Ländern, in denen die Beschäftigungsrate 2013 in den Krisenregionen wieder höher war als 2008.

  • Die Schweiz liegt bei den meisten Indikatoren selbst in den schwächsten Regionen über dem OECD-Durchschnitt. Besonders auffällig ist das bei der Gesundheit und der Sicherheit.

  • Spanien und Italien haben die größte regionale Spreizung in Bezug auf Arbeitslosigkeit, die Niederlande die geringste.

  • Die Lebenserwartung unterscheidet sich zwischen der besten und der schlechtesten OECD-Region um zwölf Jahre. Auf nationaler Ebene liegen zwischen den OECD-Ländern maximal sechs Jahre.

  • In den USA sind in gut 40 Prozent der Regionen ein Viertel der Menschen von Armut bedroht, in Europa trifft das auf weniger als zehn Prozent der Regionen zu.


 

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