Österreichs PISA-Ergebnisse wieder auf dem alten Stand – Geschlechtergefälle bei Mathematik verschärft sich

 

(Paris/Berlin, 3. Dezember 2013) - Nach einem Einbruch der Leistungen im Jahr 2009 sind Österreichs Ergebnisse beim internationalen Schulleistungstest PISA wieder zum Niveau der ersten Durchläufe zurückgekehrt. Dabei schnitt das Land im Bereich Mathematik, dem diesmaligen Schwerpunkt des Tests, über dem OECD-Durchschnitt ab. Auffällig sind allerdings die großen Leistungsunterschiede zwischen Mädchen und Jungen. Das Programme for International Student Assessment (PISA) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) überprüfte 2012 zum fünften Mal die Fähigkeiten 15-Jähriger in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften.

Mit durchschnittlich 506 Punkten erzielten die österreichischen Schüler in Mathematik zwölf Punkte mehr als der OECD-Durchschnitt. Im Vergleich zu 2003, dem letzten Mal als Mathematik im Zentrum des Tests stand, hat sich das Ergebnis nicht verändert. Verschärft hat sich jedoch der Abstand zwischen den Geschlechtern: Lagen die Jungen im Jahr 2003 noch acht Punkte vor den Mädchen, so haben sie jetzt einen Vorsprung von 22 Punkten – das entspricht etwa einem halben Schuljahr. In keinem anderen Land hat sich das Geschlechtergefälle so drastisch verstärkt wie in Österreich.

Die Veränderungen fallen vor allem bei den besonders schwachen und starken Schülerinnen und Schülern ins Auge: Während die Jungen in der aktuellen Auswertung an beiden Enden des Leistungsspektrums aufholen konnten, ist bei den Mädchen genau das Gegenteil der Fall. Der Anteil der Jungen, die bestenfalls einfache Formeln und Schritte zur Lösung einer Mathematik-Aufgabe anwenden können (unter Level 2), sank zwischen 2003 und 2012 um drei Prozentpunkte. Bei den Mädchen dagegen stieg er um etwa drei Prozentpunkte. Gehörten in Österreich 2003 nur 16,7 Prozent der Jungen zur Spitzengruppe in Mathematik – also jenen Schülern, die strategisch denken und Lösungsmodelle für komplexe Aufgaben finden können (Level 5 und 6) –, sind es inzwischen 18 Prozent. Die leistungsstarken Mädchen verloren in diesem Zeitraum gut einen Prozentpunkt und liegen jetzt bei 10,6 Prozent.

Auch die Einstellung zur Mathematik ist in Österreich stark geschlechterabhängig. So bejaht die Hälfte aller Jungen die Frage, ob sie die Dinge, die sie im Mathe-Unterricht lernt, interessant finden. Gleiches trifft allerdings nur auf jedes dritte Mädchen zu. Im OECD-Schnitt ist Mathematik ähnlich unbeliebt, nur 53 Prozent der Schüler geben an, Spaß und Interesse daran zu haben. Selbst da, wo Jungen und Mädchen gleiche Ergebnisse erzielen, stehen Mädchen der Mathematik negativer gegenüber. Ihr Vertrauen in die eigenen mathematischen Fähigkeiten ist geringer, ebenso ihre Motivation und ihre Ausdauer beim Lernen. Insgesamt geben sie häufiger an, Angst vor Mathematik zu haben, als Jungen.

„Über das Auseinanderdriften zwischen Jungen und Mädchen in der Mathematik sollte sich Österreich Sorgen machen“, sagte der stellvertretende Bildungsdirektor der OECD, Andreas Schleicher, am Dienstag bei der Vorstellung der Studie. „Nicht umsonst geben die OECD-Länder jährlich über 230 Milliarden US-Dollar für die mathematische Bildung ihrer Bürger aus. Der volkswirtschaftliche Nutzen übersteigt diesen Betrag bei weitem, das zeigt unser jüngster Test von Erwachsenen-Kompetenzen (PIAAC). Wenn wir wissen, was Menschen in Mathematik können, vermögen wir mit ziemlicher Sicherheit vorauszusagen, wie groß ihre Chancen auf einen erfüllenden und gut bezahlten Arbeitsplatz sind und ob sie auch sonst an der Gesellschaft teilhaben werden. Dass die weibliche Hälfte des Landes in Österreich so viel schlechter dasteht als die Männer, ist schlicht nicht hinnehmbar.“

Weitere Ergebnisse

Lesen: In Österreich erzielten die Schülerinnen und Schüler im Bereich Lesekompetenz im Durchschnitt 490 Punkte. Dies ist in etwa so viel wie im ersten PISA-Durchlauf im Jahr 2000 und weniger als der OECD-Mittelwert (496). Das Ergebnis setzt das Land in eine Liga mit Ungarn, Spanien, Italien, Lettland oder auch mit der Tschechischen Republik. Knapp jedem fünften österreichischen Schüler fehlt bereits die grundlegende Lesekompetenz, die in PISA mit Niveau 2 erreicht wird. Auf niedrigeren Stufen sind Schüler maximal in der Lage, in einem Text über ein vertrautes Thema die Absicht des Autors zu erkennen und einen einfachen Zusammen¬hang zwischen Text-Informationen und Alltagserfahrungen herzustellen. Der OECD-Schnitt für diese leseschwachen Schüler liegt bei 18 Prozent. Am anderen Ende der Leistungsskala sieht es für Österreich nicht besser aus: Nur 5,5 Prozent der Schüler lesen auf Kompetenzstufe 5 oder 6, können also mit Texten umgehen, die inhaltlich oder in der Form ungewohnt sind und eine genaue Textanalyse vornehmen. Der OECD-Schnitt für diese Top-Leser liegt bei 8,4 Prozent.

Naturwissenschaften: Der Durchschnittswert Österreichs in Naturwissenschaften lag 2012 bei 506 Punkten, also etwas schlechter als im Vergleichsjahr 2006 (511 Punkte) und leicht über dem OECD-Mittel von 501 Punkten. Diese Ergebnisse ähneln denen von Belgien, der Tschechischen Republik und Lettland. Der Anteil der schwachen Schüler ist in Österreich doppelt so groß wie jener mit sehr guten Leistungen: 15,8 Prozent verfehlen die Grundkompetenzstufe 2, können also bestenfalls naheliegende naturwissenschaftliche Erklärungen liefern. 7,9 Prozent sind dagegen in der Lage, naturwissenschaftliche Zusammenhänge zu identifizieren, zu erklären und ihr Wissen auch auf komplexe Alltagssituationen anzuwenden. Beide Werte haben sich über die Zeit kaum verändert, beide entsprechen in etwa dem OECD-Durchschnitt.

» Ländernotiz für Österreich (PDF)

Internationale Ergebnisse

Ostasiatische Länder sind die klaren Spitzenreiter bei PISA 2012. Unter den Top-Ten bei Mathematik finden sich sieben Länder und Gebiete aus Asien. Die mit Abstand höchste mittlere Punktzahl (613) verzeichnet Shanghai – hier sind die Schüler den Gegenwert von fast drei Schuljahren besser als ihre Altersgenossen im OECD-Durchschnitt. Zur Spitzengruppe gehören aber auch andere chinesische Gebiete, Singapur, Korea und Japan. In Europa belegen Liechtenstein und die Schweiz die vorderen Plätze.

Zwischen den mittleren Ergebnissen der besten und der schlechtesten Länder liegen in Mathematik 245 Punkte, also das Äquivalent von sechs Schuljahren. Noch größer als die Unterschiede zwischen den Ländern sind in der Regel jene innerhalb der Länder. Häufig trennen die besten und die schlechtesten Schüler eines Landes 300 Punkte und mehr. PISA 2012 zeigt erneut, dass sich gleiche Bildungschancen und exzellente Ergebnisse nicht ausschließen. In den meisten ostasiatischen Ländern, aber auch in Australien, Kanada, Estland, Finnland und Liechtenstein haben Schüler aus benachteiligten sozialen Schichten ähnlich gute Ergebnisse wie sozio-ökonomisch begünstigte Schüler.

Wie die Studie belegt, haben viele der erfolgreichsten Bildungssysteme eine Reihe von Eigenschaften gemein. So legen die Spitzenländer großen Wert auf die Auswahl und Ausbildung ihrer Lehrer. Sie investieren in die Qualität der Lehrkräfte, die Klassengröße spielt eher eine untergeordnete Rolle. Lehrer in diesen Ländern werden ermuntert, zusammenzuarbeiten, sie erhalten klare Zielvorgaben, haben dann aber viel Autonomie bei der Umsetzung.

Auch die Einstellung der Eltern beeinflusst die Lernerfolge der Kinder. Schüler, deren Eltern hohe Erwartungen in sie setzen, schneiden beim PISA-Test besser ab als jene, die unter ähnlichen Bedingungen aufwachsen, deren Eltern aber weniger ehrgeizig sind: Sie strengen sich mehr an, sind motivierter und selbstbewusster. Wichtig ist auch die Lernkultur. In manchen Ländern sind die Schüler davon überzeugt, dass Erfolg hauptsächlich aus Anstrengung und Arbeit erwächst, nicht aus vermeintlich vererbter oder nicht vererbter Intelligenz. Diese Überzeugung hilft ihnen dabei, hohe Leistungen zu erringen und ihr Potenzial vollauf zu nutzen.

» Weitere Informationen zur PISA-Studie

 

Newsletter

 

‌» Hier anmelden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

PISA 2012: Hauptbericht

 

» Was Schülerinnen und Schüler wissen und können

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Online-Bibliothek

 

» Studien & Statistiken finden

 

 

 

Countries list

  • Afghanistan
  • Albania
  • Algeria
  • Andorra
  • Angola
  • Anguilla
  • Antigua and Barbuda
  • Argentina
  • Armenia
  • Aruba
  • Australia
  • Austria
  • Azerbaijan
  • Bahamas
  • Bahrain
  • Bangladesh
  • Barbados
  • Belarus
  • Belgium
  • Belize
  • Benin
  • Bermuda
  • Bhutan
  • Bolivia
  • Bosnia and Herzegovina
  • Botswana
  • Brazil
  • Brunei Darussalam
  • Bulgaria
  • Burkina Faso
  • Burundi
  • Cambodia
  • Cameroon
  • Canada
  • Cape Verde
  • Cayman Islands
  • Central African Republic
  • Chad
  • Chile
  • China (People’s Republic of)
  • Chinese Taipei
  • Colombia
  • Comoros
  • Congo
  • Cook Islands
  • Costa Rica
  • Croatia
  • Cuba
  • Cyprus
  • Czech Republic
  • Côte d'Ivoire
  • Democratic People's Republic of Korea
  • Democratic Republic of the Congo
  • Denmark
  • Djibouti
  • Dominica
  • Dominican Republic
  • Ecuador
  • Egypt
  • El Salvador
  • Equatorial Guinea
  • Eritrea
  • Estonia
  • Ethiopia
  • European Union
  • Faeroe Islands
  • Fiji
  • Finland
  • Former Yugoslav Republic of Macedonia (FYROM)
  • France
  • French Guiana
  • Gabon
  • Gambia
  • Georgia
  • Germany
  • Ghana
  • Gibraltar
  • Greece
  • Greenland
  • Grenada
  • Guatemala
  • Guernsey
  • Guinea
  • Guinea-Bissau
  • Guyana
  • Haiti
  • Honduras
  • Hong Kong, China
  • Hungary
  • Iceland
  • India
  • Indonesia
  • Iraq
  • Ireland
  • Islamic Republic of Iran
  • Isle of Man
  • Israel
  • Italy
  • Jamaica
  • Japan
  • Jersey
  • Jordan
  • Kazakhstan
  • Kenya
  • Kiribati
  • Korea
  • Kuwait
  • Kyrgyzstan
  • Lao People's Democratic Republic
  • Latvia
  • Lebanon
  • Lesotho
  • Liberia
  • Libya
  • Liechtenstein
  • Lithuania
  • Luxembourg
  • Macao (China)
  • Madagascar
  • Malawi
  • Malaysia
  • Maldives
  • Mali
  • Malta
  • Marshall Islands
  • Mauritania
  • Mauritius
  • Mayotte
  • Mexico
  • Micronesia (Federated States of)
  • Moldova
  • Monaco
  • Mongolia
  • Montenegro
  • Montserrat
  • Morocco
  • Mozambique
  • Myanmar
  • Namibia
  • Nauru
  • Nepal
  • Netherlands
  • Netherlands Antilles
  • New Zealand
  • Nicaragua
  • Niger
  • Nigeria
  • Niue
  • Norway
  • Oman
  • Pakistan
  • Palau
  • Palestinian Administered Areas
  • Panama
  • Papua New Guinea
  • Paraguay
  • Peru
  • Philippines
  • Poland
  • Portugal
  • Puerto Rico
  • Qatar
  • Romania
  • Russian Federation
  • Rwanda
  • Saint Helena
  • Saint Kitts and Nevis
  • Saint Lucia
  • Saint Vincent and the Grenadines
  • Samoa
  • San Marino
  • Sao Tome and Principe
  • Saudi Arabia
  • Senegal
  • Serbia
  • Serbia and Montenegro (pre-June 2006)
  • Seychelles
  • Sierra Leone
  • Singapore
  • Slovak Republic
  • Slovenia
  • Solomon Islands
  • Somalia
  • South Africa
  • South Sudan
  • Spain
  • Sri Lanka
  • Sudan
  • Suriname
  • Swaziland
  • Sweden
  • Switzerland
  • Syrian Arab Republic
  • Tajikistan
  • Tanzania
  • Thailand
  • Timor-Leste
  • Togo
  • Tokelau
  • Tonga
  • Trinidad and Tobago
  • Tunisia
  • Turkey
  • Turkmenistan
  • Turks and Caicos Islands
  • Tuvalu
  • Uganda
  • Ukraine
  • United Arab Emirates
  • United Kingdom
  • United States
  • United States Virgin Islands
  • Uruguay
  • Uzbekistan
  • Vanuatu
  • Venezuela
  • Vietnam
  • Virgin Islands (UK)
  • Wallis and Futuna Islands
  • Western Sahara
  • Yemen
  • Zambia
  • Zimbabwe
  • Topics list