OECD-Wirtschaftsbericht Österreich: Heimisches Wachstum durch Reformen stärken

 

(Wien/Paris - 11. Juli 2011) Österreich beeindruckt auch kurz nach der weltweiten Finanzkrise mit sehr guten wirtschaftlichen Leistungen bei gleichzeitig starkem sozialen Zusammenhalt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) erreichte bereits im ersten Quartal 2011 ein höheres Niveau als zu Vorkrisenzeiten. Pro Kopf gerechnet liegt das Land damit an Platz vier im Euro-Raum. Anders als die meisten OECD-Mitglieder verzeichnet Österreich zudem eine äußert positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt: Mit 4,4 Prozent ist die Arbeitslosigkeit so niedrig wie in kaum einem anderen Land der Eurozone (ausgenommen die Niederlande und Luxemburg). Wie der heute veröffentlichte „Wirtschaftsbericht Österreich“ der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) betont, sollte das Land seine Reformanstrengungen aber dennoch weiterverfolgen.

 

Das kräftige Wachstum der Vorkrisenjahre und die schnelle Erholung nach der Krise gehen zu großen Teilen auf positive Impulse durch die europäische Erweiterung und Integration zurück, die den österreichischen Export- und Finanzmarkt beflügelt haben. Diese Effekte werden mit der Zeit jedoch schwächer werden. Die OECD empfiehlt deshalb, Strukturen zu schaffen, die verstärkt das heimische Wachstum ankurbeln. Eine konstruktive Rolle bei der wirtschaftlichen Entwicklung Österreichs spielen aber auch Gewerkschaften und Unternehmerverbände. OECD-Generalsekretär Angel Gurría sagte bei der Vorstellung des Berichts in Wien: „Dass Wachstum und soziale Gemeinschaft in Österreich so gut zusammengehen, liegt nicht zuletzt an den Sozialpartnern. Sie beschränken sich nicht auf ihre traditionelle Aufgabe, sondern bringen sich aktiv in Reformprozesse ein.“

 

Der momentane Aufschwung bietet nach Ansicht der OECD eine gute Gelegenheit, die Empfehlungen vergangener Wirtschaftsberichte zu berücksichtigen und Reformen in den Bereichen Bildung, Finanzen, Renten und Gesundheit zu vertiefen oder auf den Weg zu bringen. So existieren in Österreich selbst nach den jüngsten, lobenswerten Änderungen im Pensionssystem noch Anreize für eine Frühverrentung. Im Durchschnitt erfolgt der Renteneintritt hier früher als in fast allen anderen OECD-Ländern. Ein Zustand, den sich Österreich vor allem mit Blick auf die Alterspyramide nicht mehr lange wird leisten können.

 

Auch die Ausgaben für Soziales können noch gezielter eingesetzt werden. Mehr als ein Viertel des österreichischen BIP fließt in Sozialsysteme, also in Gesundheit, Familienzulagen, Wohngeld oder – anteilig am höchsten – in Renten. Häufig kommen diese Posten allen Bevölkerungsgruppen zugute, auch jenen, die nicht unbedingt darauf angewiesen sind. Österreich könnte seine öffentlichen Ausgaben effizienter gestalten, wenn die Sozialprogramme so ausgelegt wären, dass die Transfers wirklich bei den Hilfsbedürftigen ankommen. „Die Regierung sollte ihre Großzügigkeit in punkto Sozialausgaben überdenken“, sagte dazu Angel Gurría. „Vor allem, wenn sie die Gelder borgen muss und damit die Schuldenlast für zukünftige Generationen erhöht.“

 

 

Um finanziellen Engpässen mittel-und langfristig vorzubeugen, wird es zudem nötig sein, die Staatsverschuldung von heute 73 auf unter 60 Prozent des BIP zu drücken und über den österreichischen Stabilitätspakt auch die Bundesländer auf präzise Schuldenobergrenzen zu verpflichten. Explizit warnt die OECD davor, den Haushalt in wirtschaftlich starken Phasen leichtfertig zu belasten: „Es gibt in Österreich eine Tendenz, zyklische Mehreinnahmen in dauerhafte Programme zu stecken“, sagte OECD-Generalsekretär Gurría. „Dabei wäre es sinnvoll, die guten Zeiten zur Haushaltskonsolidierung zu nutzen und dann mehr Spielraum zu haben, wenn es wieder eng wird.“

 

Weiteren Reformbedarf sieht die OECD in Bezug auf das Steuersystem, das Arbeit und Unternehmertum stark belastet, Vermögen aber kaum in die Pflicht nimmt sowie in punkto Bildung, wo Schüler zu einem sehr frühen Zeitpunkt auf bestimmte Bildungswege festgelegt werden und wo die Art des Abschlusses häufig vom familiären Hintergrund geprägt ist.

 

Der Effizienzsteigerung bei Gesundheitsdiensten widmet der Bericht ein Sonderkapitel. Das österreichische Gesundheitssystem genießt bei seinen Bürgern ein hohes Ansehen. Im Vergleich mit anderen Ländern ist es aber teuer, fragmentiert und zu stark darauf ausgerichtet, Patienten in Krankenhäusern zu behandeln. Die OECD empfiehlt, die Verantwortung für Gesundheitsleistungen, Finanzierung und Ausgaben zwischen Ländern und Bund klarer zuzuteilen. Der nationale Kapazitätsplan für öffentlich finanzierte ambulante und stationäre Behandlungen sollte optimiert und von der Bundesregierung mit Unterstützung der Länder und Krankenkassen durchgesetzt werden. In bestimmten Fällen könnte sich auch die Einrichtung eines gemeinsamen Finanzierungstopfes für Mittel aus verschiedenen staatlichen Einheiten als sinnvoll erweisen.  Darüber hinaus würden leistungsbezogene Bezahlung von Dienstleistungen, intensiverer Wettbewerb bei Medikamenten und Kampagnen für einen gesünderen Lebenswandel die Gesundheitskosten erheblich senken.

 

 

 

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