OECD-Bericht zur Auslandsbestechung fordert schärfere Straf- und Kontrollmechanismen

 

(Paris/Berlin, 2. Dezember 2014) - Auf internationaler Ebene werden die meisten Bestechungsgelder von großen Unternehmen gezahlt – in der Regel mit dem Wissen der Geschäftsleitung. Das geht aus dem ersten OECD-Bericht zur Auslandsbestechung, dem “Foreign Bribery Report”, hervor. Der Bericht wertet mehr als 400 Fälle aus, in denen seit Inkrafttreten des OECD Übereinkommens gegen die Bestechung ausländischer Amtsträger 1999 ermittelt wurde.

In diesen Fällen machen Bestechungsgelder rund elf Prozent der gesamten Transaktionskosten aus. Im Durchschnitt flossen knapp 14 Millionen US-Dollar pro Bestechungsvorgang. Der Bericht kommt allerdings zu dem Schluss, dass selbst diese Zahlen nur die Spitze des Eisberges darstellen. Das reale Ausmaß internationaler Korruption sei wegen der komplexen Strukturen korrupter Geschäfte schwer zu erfassen.

Die Adressaten von Auslandsbestechung sind in der Regel eher entwickelte Volkswirtschaften als Entwicklungsländer. Das Ziel der Bestechung ist es, Verträge mit staatseigenen oder staatlich gelenkten Unternehmen zu schließen. Die meisten Zahler und Empfänger von Bestechungsgeldern stammen aus wohlhabenden Staaten.

In fast zwei Dritteln der Fälle konzentriert sich die Bestechung auf nur vier Sektoren: die Rohstoffindustrie (19%), das Baugewerbe (15%), Verkehr und Lagerung (15%) und Kommunikation (10%). Angestellte staatseigener Betriebe führen die Liste derer an, denen Bestechungsgelder versprochen oder gezahlt wurden (27%). Daneben stehen Zollbeamte sowie Mitarbeiter von Gesundheits- und Verteidigungsbehörden häufig auf Bestechungslisten. In fünf Prozent der Fälle waren aber auch Staats- und Regierungschefs, beziehungsweise Minister das Ziel der Bestechung – sie bezogen sogar elf Prozent aller illegalen Zahlungen.


In 41 Prozent der Fälle wurde die Bestechung von Führungskräften vorgenommen oder abgesegnet, in 12 Prozent war die Unternehmensleitung involviert. Dreiviertel aller Fälle von Auslandsbestechung liefen über Mittelsmänner oder -institutionen, wie zum Beispiel örtliche Vertriebspersonen, Makler aber auch Firmen in Übersee-Finanzzentren.

“Korruption schwächt Wachstum und Entwicklung. Wer sie ausübt oder von ihr profitiert, muss zur Rechenschaft gezogen werden“, sagte OECD General-Sekretär Angel Gurría. “Wirtschaftskriminalität vorzubeugen, sollte im Zentrum der Unternehmensführung stehen. Öffentliche Ausschreibungen müssen synonym sein mit Integrität, Transparenz und Verantwortung.“

Regierungen weltweit sollten die Strafen bei Auslandsbestechung und Korruption verschärfen, Beilegungsverfahren öffentlich machen und den Informantenschutz stärken, fordert der Bericht. Dass in so vielen Bestechungsfällen Mittelsmänner genutzt würden, zeige, dass die Compliance Programme der Unternehmen effektiver beaufsichtigt werden müssten. Insgesamt könne Auslandsbestechung nur eingedämmt werden, wenn die Führungskräfte eines Unternehmens mit gutem Beispiel vorangingen.

Der General-Sekretär der OECD Angel Gurría stellt den Bericht heute 16.30 Uhr in Paris vor. Die Veranstaltung wird per Webcast übertragen.

Hintergrund:

Der Bericht wertet 427 Fälle von Auslandsbestechung aus, in die Unternehmen oder Einzelpersonen der 41 Länder verwickelt waren, die das OECD Übereinkommen gegen die Bestechung ausländischer Amtsträger unterzeichnet haben. Die Fälle gehen zurück bis Februar 1999, dem Zeitpunkt, zu dem das Übereinkommen in Kraft trat, und reichen bis zum Juni 2014.‌

 

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