Lesekompetenz der Schülerinnen und Schüler in Deutschland verbessert; aber weiterhin großer Abstand zur Spitze und ungleiche Bildungschancen

 

Deutschland ist es in den vergangenen Jahren gelungen, die Lesefähigkeiten seiner 15 jährigen Schülerinnen und Schüler spürbar zu verbessern. Allerdings liegt Deutschland damit international noch immer nur im OECD-Durchschnitt. Die Verbesserung wurde erreicht, weil der Anteil der Schüler mit ungenügenden Resultaten deutlich verringert werden konnte. Nach wie vor sind die Ergebnisse stark geprägt vom sozio-ökonomischen Hintergrund der Schulen. Allerdings hat sich dieser Einfluss verringert. Auch die Leistungsdefizite von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund konnten reduziert werden.

(Berlin/Paris, 7. Dezember 2010) - Die im Jahr 2009 durchgeführte vierte PISA-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) beruht auf Schulleistungstests, an denen eine halbe Million 15-jähriger Schülerinnen und Schüler in allen 34 OECD-Mitgliedstaaten sowie weiteren 31 Partnerländern und -volkswirtschaften teilgenommen haben.

Der Schwerpunkt der PISA-Studie 2009 lag auf der Fähigkeit zu lesen. Ähnlich wie Korea, Polen, Portugal, Ungarn, Israel und Chile konnte Deutschland seine Ergebnisse seit 2000 verbessern. Deutsche Schülerinnen und Schüler liegen mit einem Zuwachs von 484 auf 497 PISA-Punkte heute im OECD-Mittelfeld (In 2000 entsprach der OECD-Durchschnitt 500 PISA-Punkten). Ihre Leseleistungen entsprechen damit denen Gleichaltriger in den USA (500), Schweden (497), Frankreich (496) und Großbritannien (494). Der Abstand zu Spitzenländern wie Korea (539), Finnland (536), Kanada (524) und Japan (520) ist allerdings noch immer beträchtlich. Auffällig ist zudem, dass deutsche Schülerinnen und Schüler vor allem im Teilbereich Reflektieren und Bewerten deutliche Schwächen zeigen.

Zwischen Mädchen und Jungen sind die Unterschiede in der Lesefähigkeit nach wie vor groß. Der Abstand entspricht hier in Deutschland mit 40 PISA-Punkten (dem Lernfortschritt eines Schuljahres) ziemlich genau dem OECD-Durchschnitt.

Positiv ist, dass die Fortschritte in Deutschland einhergehen mit einer deutlichen Verringerung der Leistungsstreuung, dank eines Rückgangs der Schülerinnen und Schüler mit schwachen Lesefähigkeiten. Ihr Anteil ist in Deutschland von 2000 bis 2009 von 22,6 auf 18,5 Prozent gesunken. 


 

Die Unterschiede in den Schulleistungen sind nach wie vor stark geprägt durch den sozio-ökonomischen Hintergrund der Familien, aber mehr noch der Schulen. Der Leistungsabstand zweier Schüler mit ähnlichem Hintergrund beträgt in Deutschland mehr als 100 PISA-Punkte, je nach dem, ob er auf eine Schule mit günstigem oder ungünstigem Umfeld geht. In keinem anderen Land hat ein sozial ungünstiges Schulumfeld einen derart starken Einfluss auf die Leistungen von Kindern aus sozial schwachen Familien.

Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, also solche bei denen beide Eltern nicht in Deutschland geboren wurden, schneiden um 56 PISA-Punkte schlechter ab als gleichaltrige Einheimische. 2000 betrug der Abstand noch 84 PISA-Punkte. Berücksichtigt man die Unterschiede im sozio-ökonomischen Hintergrund, so reduziert sich der Abstand 2009 auf 27 PISA-Punkte. Bemerkenswert ist zudem die Tatsache, dass sich die Leistungsdifferenz zwischen Schülern, die zuhause deutsch bzw. nicht deutsch sprechen, auf die Hälfte reduziert hat. Sie macht allerdings noch immer 60 PISA-Punkte aus.

Neben der Lesekompetenz wurden mit PISA 2009 – wenngleich weniger umfangreich – auch Kenntnisse in Mathematik und Naturwissenschaften abgefragt. Hier hatte Deutschland schon in der Vergangenheit überdurchschnittliche Resultate erzielen können. In Mathematik sind die Schülerinnen und Schüler seit 2003 nochmals besser geworden. In den Naturwissenschaften konnten seit 2006 keine statistisch signifikanten Leistungsfortschritte erzielt werden.

„Bessere Schulleistungen sind ein wichtiger Faktor für künftiges Wirtschaftswachstum”, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría. „PISA zeigt allerdings auch, dass zwei Länder mit ähnlichem Wohlstandsniveau sehr unterschiedliche Ergebnisse bei den Schulerfolgen haben können. Das Bild einer klar geteilten Welt mit reichen, gut ausgebildeten Ländern auf der einen Seite und armen und schlecht ausgebildeten auf der anderen ist heute überholt.”

Die PISA-Studie zeigt auch, dass in einigen Ländern Fortschritte in Schulleistungen selbst in recht kurzer Zeit erreicht werden konnten. Dabei spielt der Wohlstand eines Landes offenbar nur eine untergeordnete Rolle. Auch vergleichsweise weniger entwickelte Länder haben beachtliche schulische Leistungen vorzuweisen. Herausragende Ergebnisse erzielten Schülerinnen und Schüler in den chinesischen Regionen Shanghai und Hongkong. Für wohlhabende OECD-Länder ist es damit nicht mehr selbstverständlich, dass ihre Schulsysteme die besseren sind.

PISA 2009 erlaubt allerdings nicht nur Leistungsvergleiche. Die Studie liefert auch Anhaltspunkte für die Analyse von Erfolgsfaktoren, die Bildungsergebnisse maßgeblich beeinflussen.

So wird z.B. deutlich, dass erfolgreiche Schulsysteme, mit überdurchschnittlichen Leistungen und unterdurchschnittlichen sozio-ökonomischen Ungleichheiten, vor allem solche sind, die Schülerinnen und Schülern gleiche Bildungschancen bieten, unabhängig vom Status und Gehalt ihrer Eltern. In Ländern mit verschiedenen Bildungszweigen zeigt sich: Je früher die erste Aufteilung auf die jeweiligen Zweige erfolgt, desto größer sind bei den 15-jährigen die Leistungs-unterschiede nach sozio-ökonomischem Hintergrund - ohne dass deswegen die Gesamtleistung steigen würde.

Auch erscheint es grundsätzlich sinnvoll, den Schulen größere Autonomie bei der Gestaltung der Lehrpläne, der Auswahl der Lehrer und der Beurteilung der Schüler einzuräumen. Dazu gehört allerdings auch ein höheres Maß an Evaluierung, Rechenschaft und Transparenz.

Erfolgreiche Schulsysteme zeichnen sich zudem dadurch aus, dass die Leistungen von Lehrern in der gesellschaftlichen Einschätzung positiv gewürdigt werden. So deuten die PISA-Ergebnisse auch darauf hin, dass eine Erhöhung der Qualität und Entlohnung des Lehrpersonals wichtiger sein kann als eine Reduzierung der Klassengrößen.

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