Lesekompetenz der Schülerinnen und Schüler in der Schweiz überdurchschnittlich; aber weiterhin großer Abstand zur Spitze

 

Die 15-jährigen Schülerinnen und Schüler der Schweiz liegen mit ihren Lesefähigkeiten über dem OECD-Durchschnitt. Die Leistungsdefizite von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund konnten deutlich reduziert werden.

 

(Berlin/Paris - 7. Dezember 2010) Die im Jahr 2009 durchgeführte vierte PISA-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) beruht auf Schulleistungstests, an denen eine halbe Million 15-jähriger Schülerinnen und Schüler in allen 34 OECD-Mitgliedstaaten sowie weiteren 31 Partnerländern und -volkswirtschaften teilgenommen haben.

 

Der Schwerpunkt der PISA-Studie 2009 lag auf der Fähigkeit zu lesen. Schweizerische Schülerinnen und Schüler liegen mit 501 PISA-Punkten heute etwas über dem OECD-Durchschnitt (In 2000 entsprach der OECD-Durchschnitt 500 PISA-Punkten). Ihre Leseleistungen entsprechen damit denen Gleichaltriger in den Niederlanden (508), Norwegen (503), in den USA (500), Schweden und Deutschland (je 497). Der Abstand zu Spitzenländern wie Korea (539), Finnland (536), Kanada (524) und Japan (520) ist allerdings noch immer beträchtlich.

 

Zwischen Mädchen und Jungen sind die Unterschiede in der Lesefähigkeit nach wie vor groß. Der Abstand entspricht hier in der Schweiz mit 39 PISA-Punkten (dem Lernfortschritt eines Schuljahres) genau dem OECD-Durchschnitt.

 

 

Positiv ist, dass die Leistungsstreuung deutlich gesunken ist, dank eines Rückgangs der Schülerinnen und Schüler mit schwachen Lesefähigkeiten. Ihr Anteil ist in der Schweiz von 2000 bis 2009 von 20,4 auf 16,8 Prozent gesunken.

 

Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, also solche bei denen beide Eltern nicht in der Schweiz geboren wurden, schneiden um 48 PISA-Punkte schlechter ab als gleichaltrige Einheimische. 2000 betrug der Abstand allerdings noch 86 PISA-Punkte. Berücksichtigt man die Unterschiede im sozio-ökonomischen Hintergrund, so reduziert sich der Abstand 2009 auf 28 PISA-Punkte.

 

Neben der Lesekompetenz wurden mit PISA 2009 – wenngleich weniger umfangreich – auch Kenntnisse in Mathematik und Naturwissenschaften abgefragt. Auch hier hatte die Schweiz schon in der Vergangenheit überdurchschnittliche Resultate erzielen können. Allerdings sind die Fortschritte beim Lesen seit 2000, in Mathematik seit 2003 und in den Naturwissenschaften seit 2006 statistisch nicht signifikant.

 

„Bessere Schulleistungen sind ein wichtiger Faktor für künftiges Wirtschaftswachstum”, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría. „PISA zeigt allerdings auch, dass zwei Länder mit ähnlichem Wohlstandsniveau sehr unterschiedliche Ergebnisse bei den Schulerfolgen haben können. Das Bild einer klar geteilten Welt mit reichen, gut ausgebildeten Ländern auf der einen Seite und armen und schlecht ausgebildeten auf der anderen ist heute überholt.”


Die PISA-Studie zeigt auch, dass in einigen Ländern Fortschritte in Schulleistungen selbst in recht kurzer Zeit erreicht werden konnten. Dabei spielt der Wohlstand eines Landes offenbar nur eine untergeordnete Rolle. Auch vergleichsweise weniger entwickelte Länder haben beachtliche schulische Leistungen vorzuweisen. Herausragende Ergebnisse erzielten Schülerinnen und Schüler in den chinesischen Regionen Shanghai und Hongkong. Für wohlhabende OECD-Länder ist es damit nicht mehr selbstverständlich, dass ihre Schulsysteme die besseren sind.

 

PISA 2009 erlaubt allerdings nicht nur Leistungsvergleiche. Die Studie liefert auch Anhaltspunkte für die Analyse von Erfolgsfaktoren, die Bildungsergebnisse maßgeblich beeinflussen.

 

So wird z.B. deutlich, dass erfolgreiche Schulsysteme, mit überdurchschnittlichen Leistungen und unterdurchschnittlichen sozio-ökonomischen Ungleichheiten, vor allem solche sind, die Schülerinnen und Schülern gleiche Bildungschancen bieten, unabhängig vom Status und Gehalt ihrer Eltern. In Ländern mit verschiedenen Bildungszweigen zeigt sich: Je früher die erste Aufteilung auf die jeweiligen Zweige erfolgt, desto größer sind bei den 15-jährigen die Leistungs-unterschiede nach sozio-ökonomischem Hintergrund - ohne dass deswegen die Gesamtleistung steigen würde.

 

Auch erscheint es grundsätzlich sinnvoll, den Schulen größere Autonomie bei der Gestaltung der Lehrpläne, der Auswahl der Lehrer und der Beurteilung der Schüler einzuräumen. Dazu gehört allerdings auch ein höheres Maß an Evaluierung, Rechenschaft und Transparenz.

 

Erfolgreiche Schulsysteme zeichnen sich zudem dadurch aus, dass die Leistungen von Lehrern in der gesellschaftlichen Einschätzung positiv gewürdigt werden. So deuten die PISA-Ergebnisse auch darauf hin, dass eine Erhöhung der Qualität und Entlohnung des Lehrpersonals wichtiger sein kann als eine Reduzierung der Klassengrößen.

 

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