Hohe Kosten durch psychische Erkrankungen in Europa

 

‌(Berlin/Brüssel, 22. November 2018) – Millionen von Menschen würden profitieren, wenn psychische Erkrankungen früher erkannt und behandelt würden. Auch die Auswirkungen auf Wachstum und Beschäftigung wären positiv. Zu diesem Schluss kommt ein neuer Bericht von OECD und Europäischer Kommission, der heute in Brüssel vorgestellt wurde.

Gesundheit auf einen Blick: Europa 2018 stellt fest, dass psychische Gesundheitsprobleme wie Depressionen, Angststörungen sowie Alkohol- und Drogenkonsumstörungen mehr als jeden sechsten Menschen in der EU betreffen. Neben den Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Menschen schätzt der Bericht die Gesamtkosten psychischer Erkrankungen auf über 600 Milliarden Euro - oder mehr als vier Prozent des BIP - in den 28 EU-Ländern.

Schätzung der Gesamtkosten psychischer Erkrankungen anteilig am BIP (%)Ein großer Teil dieser Kosten ist auf geringere Erwerbsbeteiligung und eine geringere Produktivität von Menschen mit psychischen Erkrankungen (1,6 Prozent des BIP oder 260 Mrd. EUR) und höhere Ausgaben der Sozialversicherungen (1,2 Prozent des BIP oder 170 Mrd. EUR) zurückzuführen, der Rest sind direkte Ausgaben für die Gesundheitsversorgung (1,3 Prozent des BIP oder 190 Mrd. EUR).

"Psychische Erkrankungen sind eine schwere Belastung für den Einzelnen, aber auch für Wirtschaft und Sozialsysteme. Diese könnten deutlich reduziert werden", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría. "Einige europäische Länder haben bereits Strategien und Programme zur Bekämpfung von psychischen Erkrankungen eingeführt. Es kann jedoch noch viel mehr getan werden, um die psychische Gesundheit zu fördern. Wir freuen uns, weiterhin mit der Europäischen Kommission zusammenzuarbeiten, um den Gesundheitszustand in EU-Staaten zu messen und sich den Herausforderungen anzunehmen, bessere Gesundheitspolitiken für ein besseres Leben zu schaffen."

Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, sagte: "Der Bericht „Gesundheit auf einen Blick“ bietet den Mitgliedstaaten viele Hinweise, um den häufig vernachlässigten Belastungen durch psychische Gesundheitsprobleme für das Leben der Menschen und die Wirtschaft größere Beachtung zu schenken. Der Bericht spricht sich nachdrücklich für besser koordinierte Maßnahmen zur Förderung psychischer Gesundheit in Schulen und am Arbeitsplatz aus, aber auch bei schwächeren Gruppen wie Arbeitslosen und älteren Menschen.“

Die Studie zeigt auch, dass sich in den vergangenen Jahren der Anstieg der Lebenserwartung in vielen europäischen Ländern verlangsamt hat, so auch in Frankreich, Deutschland und Großbritannien. Dies wird unter anderem auf geringere Fortschritte bei den Überlebensraten aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückgeführt, was möglicherweise mit einem Anstieg der Fettleibigkeit und des Diabetes verbunden ist. Auch hat in einigen Ländern die Zahl der Todesfälle bei älteren Menschen in den letzten Jahren aufgrund schwerer Grippewellen zugenommen.

Nach wie vor ist die Lebenserwartung deutlich von sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen der Menschen abhängig. So ist bei Personen im Alter von 30 Jahren die Lebenserwartung schlecht gebildeter Menschen sechs Jahre geringer als bei den am besten ausgebildeten. In den mittel- und osteuropäischen Ländern, insbesondere bei den Männern, ist die Kluft besonders groß, da ein ungesunder Lebensstil weiter verbreitet ist und Unterschiede beim Zugang zur Gesundheitsversorgung bestehen.
Der Bericht zeigt auch, dass die Gesundheitsausgaben im Jahr 2017 so schnell gewachsen sind wie die Wirtschaft insgesamt und 9,6 Prozent des BIP der EU ausmachen. Frankreich und Deutschland gaben 2017 jeweils mehr als 11 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für die Gesundheitsversorgung aus, gefolgt von Schweden, Österreich, Dänemark und den Niederlanden mit jeweils über 10 Prozent. Die Länder im östlichen Teil der EU geben in der Regel deutlich weniger aus, wobei die Anteile zwischen 5 Prozent und 6 Prozent des BIP liegen.

Der Bericht ist der erste Teil eines zweijährigen Berichtszyklus zu Gesundheit in der EU. Die EU-Kommission hat diesen Prozess 2016 ins Leben gerufen, um die Mitgliedstaaten bei der Verbesserung der Gesundheit ihrer Bürger und der Leistungsfähigkeit ihrer Gesundheitssysteme zu unterstützen. Den zweiten Teil bilden Country Health Profiles für alle EU-Länder, die 2019 veröffentlicht werden.

 

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