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Chancengleichheit und angemessene Finanzierung weiterhin große Herausforderung für die Bildungssysteme der OECD-Länder

 

(Berlin/Paris, 24. November 2015) - Die OECD-Länder müssen stärkere Anstrengungen unternehmen, die Ungleichheit in der Bildung weiter abzubauen und gleichzeitig die Effektivität ihrer Bildungssysteme erhöhen. Nur so kann sichergestellt werden, dass jedes Kind – unabhängig von seiner Herkunft – sein Potential voll entfalten kann und von einer guten Bildung profitiert. Dies geht aus dem OECD-Bericht ‘Bildung auf einen Blick 2015’ hervor, der heute veröffentlicht wurde.

Die Studie dokumentiert die großen Fortschritte, die über die vergangenen 25 Jahre beim Ausbau der Bildungssysteme erzielt wurden. So verfügen heute in den OECD-Ländern im Schnitt 41% der 25 bis 34-Jähringen über einen höheren Bildungsabschluss. Allerdings schlagen sich die nach wie vor großen Unterschiede im Bildungsniveau auch bei den Arbeitsmarktchancen nieder. So hatten 2014 im OECD-Schnitt weniger als 60% der Erwachsenen ohne Sekundarabschluss einen Arbeitsplatz, bei den Erwachsenen mit tertiärem Abschluss waren es über 80%. Auch die Einkommen sind je nach Bildungsniveaus weiter sehr unterschiedlich.

“Der Traum von guter Bildung für alle ist noch keine Realität“, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría bei der Vorstellung der Studie in Paris. „Kein Zugang zu hochwertiger Bildung ist die stärkste Form sozialer Ausgrenzung. So wird verhindert, dass Menschen von wirtschaftlichem Wachstum und sozialem Fortschritt profitieren.“

Deutschland hat in den vergangenen Jahren gute Fortschritte auf dem Weg zu mehr Chancengleichheit durch Bildung gemacht, insbesondere durch den Ausbau der frühkindlichen Bildung. So nahmen 2013 in Deutschland 92% der 3-jährigen an Programmen der frühkindlichen Bildung teil, 2005 waren es noch 80%. Auch bei den 2-jährigen lag Deutschland 2013 mit einer Betreuungsquote von 59% deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 39%.

Die gute Konjunktur, aber auch die leistungsfähige berufliche Bildung in Deutschland, erleichtert jungen Menschen den Einstieg in den Arbeitsmarkt. So war 2014 in Deutschland der Anteil der jungen Menschen, die weder arbeiten noch in Ausbildung oder Weiterbildung sind so gering, wie in kaum einem anderen OECD-Land (10,1% der 20 bis 24-Jährigen in Deutschland gegenüber 17,9% im OECD-Durchschnitt).

“Mit dem Dualen System hat Deutschland gute Voraussetzungen, auch die Arbeitsmarktintegration von Migranten zu stemmen. Allerdings kommt es jetzt darauf an, etwa durch spezielle Angebote für Flüchtlinge, diese Basis noch weiter zu stärken und auf deren Bedürfnisse einzugehen“, sagte Stefan Kapferer, stellvertretender Generalsekretär der OECD.

Neben der in Deutschland traditionell starken beruflichen Bildung, weist auch bei der höheren Bildung der Trend nach oben. So beginnen in Deutschland mittlerweile 53% eines Jahrgangs ein Studium oder einen anderen tertiären Bildungsgang (Meister, Techniker, etc.) - im OECD-Durchschnitt sind es 60% (jeweils ohne internationale Studenten). Trotz der zunehmenden Bedeutung höherer Bildung, liegen die Abschlussquoten im Tertiärbereich weiter unter dem OECD-Schnitt (36% gegenüber 50%).

“Demografiebedingt wird in den kommenden Jahren in Deutschland eine vergleichsweise große Zahl an Hochqualifizierten aus dem Erwerbsleben ausscheiden.  Die entstehende Fachkräftelücke kann nur geschlossen werden, wenn sich der Anteil gutausgebildeter Jugendlicher an den zahlenmäßig schwächeren, nachrückenden Jahrgängen weiter erhöht.”, sagte Kapferer. Besonderen Erfolg bescheinigte er Deutschland dabei, junge Frauen für ein Studium der so genannten MINT-Fächer zu gewinnen.

Eine gute und hochwertige Bildung ist der beste Garant für eine erfolgreiche Teilnahme am Erwerbsleben. So ist auch in Deutschland der Anteil der Erwerbstätigen unter den Hochqualifizierten mit 88% deutlich höher als bei Menschen mit beruflicher Bildung (80%). Gleichzeitig nimmt der Abstand bei der Beschäftigungsquote mit zunehmendem Alter der Beschäftigten deutlich zu. Ein höherer Bildungsabschluss versetzt Arbeitnehmer offenbar auch eher in die Lage, sich wandelnden Anforderungen des Arbeitsmarktes anzupassen.

Die Gesamtausgaben (privat und öffentlich) für Bildungseinrichtungen lagen 2012 in Deutschland bei 4,4% des Bruttoinlandsprodukts und damit deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 5,3%.

 

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