Bildung auf einen Blick: Österreichs Bildungsausgaben bleiben hoch – Privater Sektor könnte größeren Anteil schultern

 

(Paris/Wien, 26. Juni 2013) – Österreich ist eines der OECD-Länder, in denen die Bildungsausgaben nur zu einem verhältnismäßig kleinen Teil aus privaten Quellen gespeist werden. Lag der private Anteil für Bildungseinrichtungen aller Altersstufen 2010 im OECD-Schnitt bei gut 16 Prozent, so betrug er in Österreich nur neun Prozent. Am stärksten zeigt sich dieser Unterschied in den Ausgaben für Tertiärbildung, also für Hoch- und Fachhochschulgänge sowie für Ausbildungen der fortgeschrittenen beruflich orientierten Bildung. Diese finanzieren sich im Durchschnitt der OECD-Länder zu fast einem Drittel aus privater Hand, während in Österreich lediglich zwölf Prozent der Ausgaben privat aufgebracht werden.

Wie aus dem jüngsten Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung „Bildung auf einen Blick 2013“ hervorgeht, sind es zudem vor allem Unternehmen, Stiftungen oder andere Einrichtungen, aus deren Kassen die privaten Gelder fließen. Kaum zehn Prozent der nicht öffentlichen Ausgaben stammen aus privaten Haushalten. Nur in der Vorschulkinderbetreuung ergibt sich ein komplett gegenläufiges Bild – hier wendet Österreich zu 28 Prozent private Mittel auf, im OECD-Schnitt sind es lediglich 18.

Die Frage, ob Österreich auf diese Weise eine gute Balance zwischen öffentlicher und privater Bildungsfinanzierung herstellt, wird im Land gerade verstärkt diskutiert: Die Regierung stockt den Hochschuletat im Zeitraum 2013-2015 um rund eine Milliarde Euro auf und erwägt parallel dazu die Wiedereinführung von Studiengebühren. Damit folgt sie nicht zuletzt Empfehlungen der OECD, die Gebühren für ein adäquates Mittel zur Finanzierung hochwertiger tertiärer Ausbildung hält, sofern sie von einem umfassenden System von Zuschüssen und Darlehen begleitet werden. Zurzeit gibt es in Österreich kein öffentliches System für Studienkredite und nur eine sehr punktuelle Förderung durch Stipendien. Die breiteste Förderung erhalten Studierende durch die Familienbeihilfe des Bundeswirtschaftministeriums. Sollte der Beschluss für die Wiedereinführung von Studiengebühren fallen, so wäre dringend auf eine sozialverträgliche Umsetzung zu achten.

“Gute Qualifikationen sind wichtiger denn je”, sagte OECD-Bildungsdirektorin Barbara Ischinger bei der Vorstellung des Berichts in Wien. “Wir müssen vor allem jene Menschen fördern, die es ohnehin schwer haben, Fähigkeiten zu erwerben, die ihre Chancen auf einen gutbezahlten, sicheren Arbeitsplatz erhöhen. Das österreichische Berufsbildungssystem schafft eine solide Grundlage und ist Vorbild für viele Staaten mit weniger gut entwickelten praktischen Ausbildungsgängen. Moderne Gesellschaften verlangen aber auch immer häufiger nach hochqualifizierten Personen – hier kann Österreich noch aufholen.” Viel könne schon durch ein durchlässigeres Aus- und Weiterbildungssystem erreicht werden, so Ischinger. Beispielsweise müsse es Absolventen beruflicher Zweige leichter gemacht werden, noch eine höherwertige Qualifikation oben drauf zu setzen.


 

Bis heute setzt die Mehrheit der jungen Österreicher auf eine Berufsausbildung: 59 Prozent der 25 bis 34-Jährigen besitzen einen solchen praktischen Abschluss. Dass Österreich selbst nach der Krise noch eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten unter jungen Menschen verzeichnet, ist ohne Zweifel auch seinem gut ausgebauten Ausbildungssystem zu verdanken. Gleichzeitig ist die Hochschulzugangs- sowie Hochschulabschlussquote im Land in den vergangenen Jahren merklich gestiegen. Im Jahr 2011 starteten in Österreich 40 Prozent der Menschen unter 25 mit einem Studium an einer Universität, Fachhochschule oder Pädagogischen Hochschule, im OECD-Schnitt waren es 48 Prozent. Einen Tertiärabschluss erlangten im selben Jahr mehr Frauen als Männer (54 Prozent). Auch finden sich Frauen inzwischen verhältnismäßig oft in traditionell männlichen Studiengängen wieder. In den sogenannten MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik machten Frauen 2011 zwischen einem Viertel und einem Drittel der Absolventen aus (in Informatik nur 15 Prozent, Tendenz aber auch hier steigend).

Gleichzeitig ist der Anteil hochqualifizierter Frauen zwischen 35 und 44 Jahren, die Vollzeit arbeiten, in Österreich sehr niedrig: Während im OECD-Durchschnitt 66 Prozent der tertiär gebildeten Frauen in dieser Altersgruppe voll erwerbstätig sind, liegt der Anteil in Österreich bei 48 Prozent (Männer 81 Prozent). Ab dem 55. Lebensjahr erhöht er sich auf 68 Prozent, was darauf hindeutet, dass vor allem Mütter von kleineren Kindern im Beruf zurückstecken. Politische Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie könnten die Erwerbsbeteiligung jüngerer Frauen erhöhen. Dazu gehört vor allem der Ausbau qualitativ hochwertiger Kinderbetreuungsstätten. Um Familien eine wirkliche Entlastung zu bieten und beiden Elternteilen eine Vollzeitarbeit zu ermöglichen, müssten sich hier unter anderem die Öffnungszeiten flexibler gestalten. Außerdem wäre es wichtig, eine Betreuung auch während der Schulferien zu gewährleisten.

Schon heute wendet Österreich pro Kind in allen Bildungsstufen mehr Geld auf als die meisten anderen Länder der OECD. Kaufkraftbereinigt variieren die Ausgaben von 8900 US-Dollar jährlich pro Vorschulkind bis zu 15.000 Dollar pro Universitätsstudent. Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt sind die Ausgaben mit 5,8 Prozent allerdings geringer als im OECD-Schnitt (6,3 Prozent). Auch gemessen an den öffentlichen Gesamtausgaben fließt in Österreich ein kleinerer Anteil in die Bildung als im OECD-Schnitt: 11,2 versus 13,0 Prozent.

Die Ausgaben pro Schüler sind von zwei Faktoren besonders beeinflusst: der Klassengröße und den Lehrergehältern. In den vergangenen zehn Jahren ist die durchschnittliche Klassenstärke in österreichischen Primar- und Sekundarschulen von 20 auf gut 18 Schüler gesunken. Die Lehrergehälter wiederum stiegen zwischen 2000 und 2011 sowohl in der Unter- als auch in der Oberstufe. Vor allem am Ende ihrer Karriere erhalten Lehrer in Österreich ein bedeutend höheres Gehalt als ihre Kollegen in anderen OECD-Ländern. Allerdings starten Junglehrer auch nur etwa mit der Hälfte eines Endgehaltes. Zudem unterscheiden sich die Verdienstmöglichkeiten je nach unterrichteter Bildungsstufe erheblich: Bestrebungen, die Lehrerausbildung zu reformieren und für alle Niveaus zu vereinheitlichen, dürften auch dazu führen, dass die Einkommensunterschiede eingedämmt werden. Im Hinblick auf die vergleichsweise alte Lehrerschaft ist es für Österreich wichtig, den Beruf attraktiver zu gestalten und so einem drohenden Lehrermangel vorzubeugen.

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