OECD-Bericht zur Berufsbildung in Österreich fordert: Vielfalt erhalten, Koordination steigern

 

(Berlin/Wien, 3. Juli 2013) - In wenigen OECD-Ländern hat das Berufsbildungssystem einen so hohen Stellenwert und ist gleichzeitig so vielgestaltig wie in Österreich. Knapp 60 Prozent der jungen Österreicher zwischen 25 und 34 Jahren besitzen einen Abschluss in einem beruflichen Bildungsgang unterhalb des Tertiärniveaus (Hochschule oder Fachhochschule). Daneben erfreuen sich auch die 1993/94 eingeführten Fachhochschulen wachsender Beliebtheit. Die Anzahl der Studenten dort hat sich seit Ende der 90er Jahre fast vervierfacht und lag 2011 bei gut 37.500.

In einem Länderbericht, der sich mit dem Erwerb von Kompetenzen nach der Schulzeit beschäftigt, analysiert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Stärken und Schwächen des österreichischen Berufsbildungssystems. Die heute veröffentlichte Studie aus der Reihe „OECD Reviews of Vocational Education and Training“ kommt zu dem Schluss, dass das österreichische System qualitativ hochwertige Angebote für eine Vielzahl sozialer Gruppen bereithält, dass aber gerade diese Vielfalt noch besser koordiniert werden könnte und dadurch an Transparenz und Effizienz gewinnen würde.

Insgesamt bescheinigt der Bericht Österreich ein breites Spektrum an Wegen, um Abgängern berufsbildender Programme Zugang zu weiterführenden Bildungsgängen zu gewähren. Allerdings machten von diesen Möglichkeiten bisher nur relativ wenige junge Menschen Gebrauch. Schon die abgeschlossene Berufsausbildung geht mit deutlichen Vorteilen auf dem Arbeitsmarkt und mit einem verhältnismäßig hohen Verdienst einher. Zudem gebe es durch zusätzliche Prüfungen, wie etwa den Meister oder Werkmeister, ein effektives System zur Höherqualifizierung und damit auch zu verantwortungsvolleren Tätigkeiten oder sogar einer eigenen Firma.

Als lobenswert stellen die Autoren schließlich auch die enge Einbindung der Sozialpartner in das berufsbildende System heraus. So verfügen in Österreich sowohl die Wirtschafts- als auch die Arbeiterkammer über eigene Ausbildungseinrichtungen. Gewerkschaften wie Arbeitgeber sind darüber hinaus aktive Mitglieder in einer Reihe von Kommissionen, die das Berufsbildungsprogramm entwickeln und üben auf diese Weise einen starken Einfluss auf die Lerninhalte aus.

In vier Punkten regt der Bericht dennoch Verbesserungen an:

1) Bessere Koordination der Ausbildungsvielfalt: Aktuell unterliegen die vielgestaltigen Berufsbildungsinstitutionen verschiedenen, nicht miteinander verbundenen Regelungssystemen. Die Folgen sind Zersplitterung, mangelnde Transparenz und Wettbewerbsverzerrungen. Der Bericht spricht sich dafür aus, ein Ratgeber-Gremium einzurichten, in dem die relevanten Ministerien, Vertreter der Regionen, Sozialpartner und die Hauptanbieter beruflicher Bildung versammelt sein sollten. Die Aufgabe dieses Gremiums wäre es, für eine bessere Koordination und Zusammenarbeit zwischen den Bildungsanbietern zu sorgen und die Berufsbildungsangebote durch strategische Planung kohärenter und kosteneffizienter zu gestalten.

2) Vereinfachter Zugang zu höherer Bildung: Viele Absolventen Berufsbildender höherer Schulen (BHS) beginnen ein Fachhochschulstudium, erhalten aber keinerlei Anrechnung von Elementen, die sie schon im Rahmen ihrer Erstausbildung absolviert haben. Auch werden Angebote zur universitären Bildung ohne Matura bisher wenig angenommen. Der Bericht empfiehlt, die Systeme der BHS und der Fachhochschulen so miteinander zu verknüpfen, dass Module, die in beiden Einrichtungen Bestandteil der Ausbildung sind, automatisch anerkannt werden. Darüber hinaus sollten Fachhochschulen in Österreich sich noch stärker um die Integration von Studienanfängern mit Berufsbildungsabschlüssen bemühen und etwa durch spezielle Vorbereitungs- und Überbrückungsklassen die hohen Abbruchquoten in dieser Gruppe verringern. Schließlich wäre es sinnvoll, die vielgestaltigen, aber zuweilen auch verwirrenden Optionen, die junge Menschen mit beruflicher Vorbildung haben, in gezielt auf diese Gruppe ausgerichteten Karriereberatungen transparenter zu machen.

3) Verpflichtende Ausbildungsabschnitte am Arbeitsplatz: Praktische Ausbildungsintervalle am Arbeitsplatz sind in der österreichischen Berufsbildung zwar verbreitet, aber nicht verpflichtend. Nach Ansicht der Studienautoren sollte sich das ändern. Viele Fähigkeiten werden bei der praktischen Tätigkeit in Unternehmen wesentlich wirkungsvoller vermittelt als in der Schule, daher sollte ein verpflichtendes Arbeitsplatztraining in die Lehrpläne aller BHS aufgenommen werden. Ein solch obligatorisches Element hätte weiterhin den Vorteil, dass Arbeitgeber noch stärker in die Gestaltung des Ausbildungsprozesses eingebunden wären als bisher.

4) Arbeitsmarktbedürfnisse im Lehrplan spiegeln: Bisher ist die Mischung verschiedener Elemente in der postsekundären Berufsausbildung vor allem durch die Interessen der Studenten geleitet. Die Anforderungen des Arbeitsmarktes werden dabei manchmal nicht ausreichend berücksichtigt. Die Autoren des Berichtes empfehlen, auf schon existierenden Strukturen aufzubauen, um die Forderungen der Wirtschaft besser abschätzen zu können und die Ausbildungen so zu gestalten, dass sie auch den Bedürfnissen der Arbeitgeber entgegen kommen.

 

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