Anstieg der informellen Beschäftigung wird zu mehr Armut führen

 

(Paris/Berlin - 8. April 2009) Informelle Beschäftigung hat weltweit ein Rekordniveau erreicht, was schwerwiegende Folgen für das Armutsrisiko in Entwicklungsländern hat. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Is Informal Normal?" des OECD Development Centers, die heute in Paris veröffentlicht wurde. Mit der Finanz- und Wirtschaftskrise verlieren viele Menschen ihren Arbeitsplatz. In Entwicklungsländern trifft sie dieses Schicksal besonders hart, da es dort meist keine Arbeitslosenversicherung gibt. Die Menschen müssen sich deshalb im informellen Sektor Arbeit suchen und mit geringem Verdienst, ohne soziale Absicherung und mit hohen Unfallrisiken arbeiten.

 

Der Studie zufolge arbeiten heute 1,8 Milliarden Menschen ohne formalen Arbeitsvertrag und ohne soziale Absicherung. Das ist mehr als die Hälfte der weltweiten Erwerbsbevölkerung. Bei stabiler Bevölkerungs- und Wachstumsentwicklung dürfte dieser Anteil aktuellen Projektionen zufolge bis 2020 auf zwei Drittel der Erwerbsbevölkerung ansteigen. Er könnte sogar noch weiter steigen, wenn durch die Wirtschaftskrise weiter Jobs verloren gehen und mehr Migranten durch die Krise gezwungen sind, in ihre Heimat zurückzukehren und dort im informellen Sektor zu arbeiten.

 

„Selbst in guten Zeiten und mit robusten Wachstumsraten hat in vielen Regionen die informelle Beschäftigung zugenommen,“ sagt Johannes Jütting, einer der Autoren der Studie und verdeutlicht dies am Beispiel Indiens: „Obwohl Indiens Wirtschaft in den vergangenen zehn Jahren jährlich um mehr als fünf Prozentpunkte gewachsen ist, haben die Menschen den Eindruck, dass es trotzdem keine besseren Jobs gibt. Tatsächlich müssen in Indien neun von zehn Arbeitnehmern, also rund 370 Millionen Menschen, ohne formale soziale Absicherung arbeiten.“

 

Die Studie "Is Informal Normal?" warnt vor den Gefahren eines weiteren Anstiegs informeller Beschäftigung: arme Länder haben nicht die Möglichkeit, bei geringen Löhnen und geringen Einkommen ihrer Bevölkerung eine umfassende soziale Sicherung zu bieten. Frauen – sie bilden die Mehrheit der Arbeitnehmer mit schlechten Jobs - sind davon besonders betroffen, aber auch junge Menschen und Ältere. Für die Mehrheit der 1,4 Milliarden armen Menschen auf der Erde hängt das Überleben ausschließlich von der eigenen Arbeit ab. Wenn geringe Bezahlungen ohne soziale Absicherung weiter zunehmen, dürfte es schwierig werden, das in den Millennium Development Goals vereinbarte Ziel einer Halbierung der Armut bis 2015 zu erreichen.

 

Sofortige und unkonventionelle Hilfe ist deshalb dringend nötig. Die Studie spricht sich für ein umfassendes Paket aus, das die Schaffung hochwertiger Arbeitsplätze nicht nur im formalen, sondern auch im informellen Sektor fördert. Bessere Infrastruktur, Weiterbildung, institutionelle Reformen und Zugang zu den Ressourcen für informelle Unternehmen sind Schlüsselelemente dieser Strategie. Diese Maßnahmen sollten durch öffentliche Arbeiten, Mikrokredite und mit an Bedingungen geknüpften Transferzahlungen begleitet werden. Die Unterstützung durch die Geberländer ist dabei von großer Bedeutung.

 

Einige Interessante Zahlen:

  • 1,8 Milliarden Menschen arbeiten weltweit in informellen Jobs, im Vergleich zu 1,2 Milliarden, die formale Verträge mit sozialer Absicherung haben.

  • In Subsahara-Afrika sind, wenn man die Landwirtschaft ausnimmt, drei Viertel der Arbeitsplätze im informellen Sektor angesiedelt, in Süd- und Südostasien sind es mehr als zwei Drittel , in Lateinamerika und im Nahen Osten schätzungsweise die Hälfte, sowie fast ein Viertel in Transformationsländern. Wenn man den Agrarsektor hinzunimmt, ist in allen Regionen der Anteil der informellen Arbeitsplätze noch höher (Bsp. mehr als 90% in Südasien).

  • Mehr als 700 Millionen informelle Beschäftigte leben von weniger als 1,25 Dollar am Tag und rund 1,2 Milliarden stehen täglich weniger als 2 Dollar zur Verfügung.

  • Der Anteil der informellen Beschäftigung steigt in der Regel bei wirtschaftlichen Verwerfungen. So ist die Wirtschaft in Argentinien während der Krise 1999 bis 2002 um fast ein Fünftel geschrumpft. Gleichzeitig ist die informelle Beschäftigung von 48 auf 52 Prozent gestiegen.

Weitere Informationen: www.oecd.org/de/informal

 

 

 

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