Die Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC)

 

Die Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC) wurde am 16. April 1948 zur Koordinierung des Wiederaufbaus im durch den Krieg zerstörten Europa gegründet. Zunächst hatte eine lose tagende „Konferenz der 16“ (Konferenz für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit) diese Aufgabe inne, doch schon bald sah man den Bedarf für eine permanente Organisation für ein gemeinsames europäisches Wiederaufbauprogramm und zur Überwachung der Verteilung der Hilfen aus dem Marshallprogramm. Als Sitz der Organisation wurde das Château de la Muette in Paris gewählt.

 

Für die neue Organisation wurden folgende Ziele definiert:

  • Koordinierung zwischen den Mitgliedsländern und ihrer nationalen Wirtschaftspläne, um den Wiederaufbau Europas zu beschleunigen;

  • Stärkung des innereuropäischen Handels durch Abbau von Zöllen und anderer Handelshemmnisse;

  • Erarbeitung von Studien zur Schaffung einer Zollunion oder Freihandelszone;

  • Erörterung eines multilateralen Zahlungssystems und

  • Analysen für eine bessere Nutzung der Arbeitskräfte.

Mitgliedschaft und Struktur

Anfangs hatte die OEEC 18 Mitglieder: Österreich, Belgien, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Irland, Island, Italien, Luxemburg, Norwegen, Niederlanden, Portugal, Vereinigtes Königreich, Schweden, Schweiz, Türkei und Westdeutschland (vertreten zunächst getrennt von der französischen Besatzungszone und der englisch-amerikanischen Bizone). Auch das britisch-amerikanische Besatzungsgebiet Triest war Mitglied der OEEC, bis es wieder italienischer Verwaltung unterstellt wurde.

Oberstes Entscheidungsgremium war der Rat der OEEC, in den die Mitglieder je einen Vertreter entsandten. Vorsitz im Rat führten bedeutende Persönlichkeiten der Zeit wie Paul-Henri Spaak, Paul van Zeeland, Dirk Stikker, Anthony Eden oder Richard Heathcoat Amory. Beschlüsse mussten einstimmig gefasst werden. Der Rat ernannte einen Exekutivausschuss mit sieben Mitgliedern, dem zwischen den Ratssitzungen eingeschränkte Vollmachten eingeräumt wurden.

Die Arbeitsebene der OEEC bildeten 15 vertikale und fünf horizontale technische Ausschüsse für verschiedene Themenbereiche: Ernährung und Landwirtschaft, Kohle, Elektrizität, Erdöl, Stahlindustrie, Rohstoffe, Investitionsgüter, Buntmetalle, Chemikalien, Holz, Pasten und Papier, Textilien, Transport, Programme, Zahlungsbilanzen, Handel, innereuropäischer Zahlungsverkehr und Arbeitskräfte.

Der Generalsekretär (Bis 1955 Robert Marjolin und danach René Sergent) wurde vom Rat gewählt. Das Sekretariat war in einzelne Abteilungen gegliedert, die das Gegenstück zu den Ministerien der Mitgliedsländer und den technischen Ausschüssen des Rats bildeten.

 

Rolle und Entwicklung

In den Jahren 1948/1949 arbeitete die OEEC zunächst an einem europäischen Wiederaufbauprogramm, das die USA zur Bedingung für ihre Hilfszahlungen gemacht hatten. Diese Arbeit führte immer wieder zu Konflikten, da einige Empfängerländer sich gegen eine aus ihrer Sicht zu enge Koordinierung der nationalen Programme sträubten.

Auch an der Zuweisung der Mittel des Marshallplans an die einzelnen Länder war die OEEC beteiligt. Die zähen und konfliktreichen Verhandlungen dazu fanden zunächst dank der Vermittlung eines „Rates der Weisen“ (G. Guindey, E.P. Roll, G. Malagodi, D. Spierenburg) zu einem Ergebnis. Bei der Verteilung einer zweiten Tranche im August 1949 kam es jedoch erneut zu Spannungen, auch weil die Verhandlungen durch die britische Währungskrise und die darauffolgende Abwertung des Pfunds im September 1949 überschattet wurden.

In dieser Phase wurden Vizepräsident des OECD-Rates, Baron Snoy d'Oppuers, und Generalsekretär Robert Marjolin zu den entscheidenden Vermittlern. Sie erarbeiteten eine Berechnungsskala für die Verteilung der Marshallplanmittel, die auch von Großbritannien anerkannt wurde. Insgesamt wurden zwischen April 1948 und Juni 1950 an die teilnehmenden Länder 11,8 Mrd. US-Dollar ausgezahlt. Davon entfielen 24 Prozent auf Großbritannien, 20 Prozent auf Frankreich, 11,1 Prozent auf Italien und 11 Prozent auf die Bundesrepublik Deutschland.

 

Marshallplan in der Krise

Im Herbst 1949 geriet der Marshallplan erneut in eine Krise, da aus Sicht der USA die gewährte Hilfe zu wenig auf die wirtschaftliche Integration in Europa ausgerichtet war. Bis dahin waren die Kredite des Marshallplans vor allem zum Ausgleich der Zahlungsbilanzdefizite der Europäer gegenüber den USA genutzt worden. Für die verbleibenden zwei Jahre wollte Washington weitere Kredite nur auf Basis eines gemeinsamen europäischen Aktionsprogramms vergeben.

 

Im Oktober und November 1949 beschwerte sich der Chef der US-amerikanischen Economic Co-operation Administration (ECA), Paul Hoffman, dass die OEEC nicht genügend Vorschläge zur Liberalisierung des Handels mache. Unter amerikanischem Druck einigten sich schließlich die Europäer, 50 Prozent der privatwirtschaftlichen Importe bei Nahrungsmitteln, verarbeiteten Gütern und Rohstoffen zu liberalisieren. Die Reichweite dieser Maßnahme war jedoch begrenzt, da nur der Handel für eine festgelegte Liste von Produkten freigegeben wurde und ein Großteil des Handels noch immer in staatlichen Händen war. Immerhin waren gegen Ende 1950 dank der OEEC 60 Prozent des innereuropäischen privaten Handels liberalisiert. 1955 stieg der Anteil auf 84 Prozent und 1959 auf 89 Prozent.

 

Auch die Gründung der Europäischen Zahlungsunion, ein weiterer wichtiger Fortschritt bei Integration der europäischen Wirtschaften, fand unter der Ägide der OEEC statt. Die Union sollte:

  • Hindernisse für die Konvertibilität der europäischen Währungen beseitigen;

  • Zur Abschaffung von Mengenbeschränkungen führen und;

  • bilaterale Handelspraktiken beseitigen.

Mit der Zahlungsunion wurde auch ein Kompensationsfonds zum Ausgleich intereuropäischer Defizite geschaffen. Die Zahlungsunion wurde am 27 Dezember 1958 aufgelöst, als die teilnehmenden europäischen Währungen zum Dollar konvertibel erklärt wurden.

 

Pläne zur wirtschaftlichen Integration Europas

Im Juni 1950 stellte der Präsident des OEEC-Rates Stikker einen Aktionsplan für die wirtschaftliche Integration Europas durch Spezialisierung, Arbeitsteilung und einen gemeinsamen Binnenmarkt vor: Die Länder mit großem Staatshandel sollten langfristige Handelsverträge zu vernünftigen Preisen schließen. Außerdem wurde eine neue Liste von Waren erstellt, für die der Handel freigegeben werden sollte. Ein weiterer Fonds sollte eingerichtet werden, um die Folgen des verstärkten Wettbewerbs zu mildern.

 

Mit den Vorschlägen für eine weitere Handelsliberalisierung, kam auch die Forderung auf, der OEEC die Mittel für die Koordinierung der europäischen Wirtschaften an die Hand zu geben. Die Wirtschaftsminister Italiens und Frankreichs, Petsche und Pella, wollten diese Vorschläge in den Stikker-Plan integrieren. Teil dieses Pakets war auch der Vorschlag für eine europäische Investitionsbank, die Jahre später (1958) auf Initiative von Charles de Gaulle realisiert wurde.

 

Die OEEC verlor mit dem Auslaufen des Marshallplans ab 1952 an Bedeutung, und die Kooperation orientierte sich Richtung NATO. Die Maxime war nun eine Politik der gegenseitigen Sicherheit, die wirtschaftliche und militärische Hilfe verbinden sollte. Ab Anfang 1952 wurden deshalb verschiedene Aufgaben der OEEC von der Mutual Security Agency übernommen, was der OEEC beinahe den Todesstoß versetzte.

 

Angesichts der militärischen Bedrohung entwickelten die Atlantiker die Idee, die OEEC mitsamt ihrer Ausschüsse, Experten und Statistiken in den Dienst der Wiederbewaffnung Europas zu stellen und dabei gleichzeitig Probleme wie Inflation oder Rohstoffmangel im Griff zu halten. Mit dem Argument einer effizienteren Wiederbewaffnung schlug Großbritannien vor, die OEEC durch einen Wirtschaftsauschuss im Rahmen der NATO zur ersetzen, eine Idee, der sich andere Mitglieder widersetzten.

 

Arbeitsteilung mit der NATO

Ein Kompromiss wurde auf der NATO-Tagung in Ottwa 1951 gefunden: Eine Kommission (bestehend aus Jean Monnet, Averell Harriman, Sir Edwin Plowden) sollte untersuchen, ob die wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen NATO-Mitgliedsländer auch ihrem Potential entspricht. Außerdem wurde beschlossen, dass die OEEC sich künftig auf europäische Wirtschaftsfragen konzentrieren solle.

Schon der Marshallplan hatte für die europäische Wirtschaft die Steigerung der Produktivität als obersten Maßstab gesetzt. Dieser Ansatz wurde später noch intensiviert als 1952 eine größtenteils von den USA finanzierte europäische Produktivitätsagentur unter der Ägide der OEEC geschaffen wurde. Eines ihrer wichtigsten Programme war die Weiterbildung für die Europäer. Mehr als 3000 Spezialisten und hunderte Landwirte aus 15 europäischen Ländern besuchten in diesem Rahmen amerikanische Fabriken und Farmen.

Ende 1957 wurde im Rahmen der OEEC eine „Europäische Atomenergieagentur“ gegründet, die als ersten Schritt eine Konvention über Sicherheitskontrollen bei der Kernenergie etablierte. Im selben Jahr gab die OEEC den Rahmen für Verhandlungen zur Gründung einer Europäischen Freihandelszone, die den Gemeinsamen Markt der Sechs (Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlande) und die anderen OEEC-Mitglieder auf einer multilateralen Basis zusammenführen sollte. Nach Unterzeichnung der Römischen Verträge am 25. März 1957 zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, wurden diese Verhandlungen im Rahmen eines Ministerkomitees bei der OEEC weitergeführt.

Im September 1961 wurde aus der OEEC die weltweite Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD, die zunächst aus den Mitgliedsländern der OEEC sowie den USA und Kanada bestand. Die Zahl der Mitglieder ist über die Jahre kontinuierlich auf heute 30 Länder gewachsen.

 

Das Archiv der OEEC liegt heute beim Europäischen Hochschulinstitut in Florenz.

(Dieser Text stammt ursprünglich vom Historischen Archiv des Europäischen Hochschulinstituts in Florenz und wurde mit freundlicher Genehmigung vom Archives and Records Management Service der OECD adaptiert.)

 

 

 

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